Schulen.
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halb und ausserhalb der Stadt, welche zu-nächst die Bildung der Geistlichen undMönche erstrebten. Dem beschränktemZwecke entsprach auch eine Eingrenzungdes Lehrplans: nicht die griechische Philo-sophie wie in Alexandrien, noch wenigerdie Profandisciplinen wurden hier gelehrtund gelernt, sondern die heilige Schriftund ihre richtige Interpretation beschäf-tigte fast ausschliesslich Lehrer und Ler-nende. Stellt sich hiernach unsere Schulevornehmlich als Exegetenschule dar, soist es auch gerade die Methode der Inter-pretation, welche die Schule constituirtund nicht bloss gegen die alexandrinisehen,sondern überhaupt gegen die wissenschaft-lichen Bestrebungen der Zeit differenzirt.
Der Ruhm der Schule von Alexandrienwar bereits im Niedergang, als die Pres-byter Dorotheus (Euseb . YII 32) und Lu-dern von Samosata in Antiochien mit Aus-zeichnung die heiligen Schriften erklärten.In Edessa, bislang dem Hauptsitz christ-lichen Unterrichts im Orient, und in dervon Origenes gegründeten Schule zu Cae-sarea gebildet, vereinigte Lucian das bib-lische Wissen und Können der Zeit undzeigte durch seine Emendation des Septua-gintatextes Verständniss für die erste Auf-gabe der Exegese, für welche er sofort, un-beirrt von Philosophie und Zeitmeinungen,den sichern Weg der grammatisch-histo-rischen Interpretation einschlug. Dasshierbei das richtige, realistische Prineipschon in den ersten Schülern des Mannesin den Rationalismus umschlug und Ariusder Häresiarch seinen bischöflichen An-hänger Eusebius von Nicomedien als Syl-lukianisten begriissen konnte (TheoAoretHist. eccl. I 4), ja, dass der Meister selbstin seiner trinitarischen Terminologie nichtganz correct war, kann der Richtigkeitiles Princips und der Bedeutsamkeit undVerdienstlichkeit seiner Anwendung in derExegese keinen Eintrag thun. Uebrigenshat nicht bloss Lucian selbst seine Lauf-bahn als Märtyrer vollendet (311), sondernneben den genannten Häretikern erscheinenauch Säulen der Kirche, wie die BischöfeEustathius, Meletius und Flavian von An-tiochien, Cyrillus von Jerusalem u. A.unter seinen Schülern.
Das diametral dem alexandrinisehenentgegengesetzte Prineip der Exegese triebsofort zur Bekämpfung des Origenes ; schonEustathius schrieb ausdrücklich gegen ihnund eiferte in den stärksten Ausdrückengegen das Uebermass der Allegorie, wo-durch die hl. Geschichte zur Mythe würde.Anstatt des moralischen und pneumati-schen Sinnes, mit dessen Auffinden mansich in Alexandrien mühte, betonten dieAntioehener den Litteralsinn, ob derselbe
nun unmittelbar in den Ausdrücken lagoder bei der tropisch-figürlichen Rede ausSprachgebrauch, Geschichte und Zusam-menhang erst zu ermitteln war. Ohneden typisch-vorbildlichen Charakter vielerSätze und Thatsachen, besonders des AltenTestaments, zu verkennen, hielt man ander Einheit des Litteralsinnes fest, in dessenrichtiger Wiedergabe man die Hauptaufgabedes Theologen sah, welcher Dogmatik undPolemik sich durchaus unterordnen undan welche die ethischen und ascetischenAnweisungen sich ständig anlehnen. Wurdeso der Idealismus der Alexandriner mitAllegorie und Mystik principiell. abgelehnt,so konnte man sich auch mit dev Philo-sophie jener Schule nicht befreunden. Dieexegetischen Grundsätze der Antioehenergewährten der Philosophie an sich nurgeringen Spielraum: ihre These war janicht, das Christenthum als die wahrePhilosophie zu erweisen, sondern den Sinnder hl. Schrift darzustellen. Hierbei leisteteihnen aber die aristotelische Dialektik unddie realistisch-formale Methode der Peri-patetiker viel bessere Dienste, als irgendein anderes System, und war an sich dennüchternen Orientalen entsprechender.Der Gebrauch des Aristotelismus aber inder Exegese drängte zu einer weitern Con-sequenz, die an sich bereits in den Inter-pretationsprineipien dieser Schule liegt,zur scharfen Scheidung zwischen demNatürlichen und Uebernatürliclien, Gött-lichen und Menschlichen in der Heilslehreüberhaupt und in der Christologie imBesondern, ein Verfahren, das einseitigund oberflächlich rationalistisch durch-geführt einen hervorragenden Exegetender Schule auf die bedenklichsten Wegeführte und zum intellectueilen Vater zweiergrossen Häresiecn, des Nestorianismus undder pelagianischen Irrlehre, machte.
Alle geschilderten Merkmale unsererSchule und den Beginn ihrer Blütenperiodetreffen wir bei DiorJor, der als Archi-mandrit eines antiochenischen Klostersein glänzender Lehrer zahlreicher Schülerwar, bis er im J. 378 Bischof von Tarsuswurde, wo er 394 starb. Ein nüchternerund reflectirender Geist, hatte er in Athendie griechische Philosophie kennen gelernt,ohne sich von ihr blenden zu lassen; dieVerbindung mit Lucian hatte sein theo-logischer Lehrer Flavian vermittelt; dashohe Ansehen, welches Diodor selbst alsGelehrter und Ascet genoss, und nochmehr das Glück, Grössere, als er selberwar, zu Schülern zu haben, halfen seinenwissenschaftlichen Grundsätzen zum voll-ständigen Siege. Die Vorzüge und dieSchwächen derselben scheinen sich fastgleichmässig unter zwei Schüler Diodors