Band 
Zweiter Band. I - Z.
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Symbol und Symbolik.

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porcos, ne forte conculeent eas pedibussuis et conversi dirumpant vos 1 (Matth.7, 6). Richtig bemerkt darum schon Mi-nucius Felix (Octav. 8), dass die erstenChristen sich eine Hieroglyphenschriftschufen aus dem nämlichen Grunde, aus■welchem sie sich in Grotten und unter-irdischen Coemeterien verbargen. Warder Hauptgrund der Symbole in demStreben nach Geheimhaltung und Verhül-lung der Mysterien gelegen, so durftendie ersten Christen nur dem Beispieledes Heilandes folgen und nur an die Re-den des göttlichen Meisters denken, umhinreichende Anhaltspunkte zur Schaf-fung solcher Umhüllungen zu finden. Be-stand ja seine Lehrmethode besondersin der Erzählung von Parabeln undGleichnissen, so dass der Evangelist sagenkonnte: ,sine parabola non loquebaturillis* (Marc. 4, 34). Er wollte dadurcheinerseits der intellectuellen Schwächeseiner Zuhörer zu Hülfe kommen undanderseits dieselben bewahren vor jedemMissbrauche, den sie mit dem klar aus-gesprochenen Worte hätten machen können.Dass dieses neben anderen ein Grund fürdie Methode des Heilandes war, möchteaus dem Umstande hervorgehen, dass ersich vorzüglich der Menge gegenüber sol-cher Bildersprache bediente, während erfern von der Menge seinen Jüngern, welchedie Bewahrer und Verkündiger seinerLehre werden sollten, deutlich und genausich ausdrückt.e, wie uns wieder der Evan-gelist berichtet: ,seorsum autem discipulissuis disserohat omnia 1 (Marc. 4, 34).

Das ist also die eigentliche Quelle derchristlichen Symbolik. Der Geist desStifters des Christenthums ist auf seineSchüler übergegangen; seine Methode lebtewieder auf in dem Unterrichte, welchendie Kirche in seinem Namen ertheilt, sieherrscht in der Liturgie und leuchtet unsentgegen aus den Denkmälern der alt-christlichen Zeit. Als solche den Geistder Lehre Christi widerspiegelnde Werkehaben die altchristlichen Denkmäler zu-gleich einen grossen praktischen Werthund eine nicht zu unterschätzende didak-tische Bedeutung, indem sie den Ungebil-deten wenigstens theilweise die Lectüroersetzen müssen. Und als didaktischeHülfsmittel konnten sie nicht anders alssymbolisch und allegorisch sein, da dieübersinnlichen und übernatürlichen Wahr-heiten und Geheimnisse nicht in ihrerübernatürlichen Realität, sondern nur insinnlichen Bildern und Gleichnissen ver-körpert dargestellt werden können.

Halten wir die Quelle und die didaktischeBedeutung der altchristlichen Kunst fest,so werden wir leicht begreifen können,

dass die symbolischen Zeichen nicht derWillkür der einzelnen darstellenden Künst-ler überlassen sein und nicht eine belie-bige und zufällige Anwendung auf diesesoder jenes Geheimniss finden konnten.Hat nämlich die Kirche für die ungetrübteReinheit der von Christus ihr anvertrautenWahrheiten und für die Unversehrtheitund volle Integrität der Geheimnisse Gotteszu sorgen, so kann sie auch keine Ver-sinnbildung und äussere Darstellung der-selben gestatten, die dem innern Wesenund der übernatürlichen Wahrheit desDarzustellenden nicht conform oder ent-sprechend wäre. Ganz treffend wird da-rum im Regensburger oberhirtlichen Ver-ordnungsblatt (II. Jahrg. Nr. 4, S. 22)ausgefülirt, dass die Kirche nur jenerKunst das Heiligthum öffnen kann, diebereit ist, heilig dem Heiligen zu dienen,und zwar nach jenen Regeln und Bestim-mungen, welche der Geist der Kirche ge-geben. Diese Regeln und Bestimmungensind nichts von der Kirche äusserlich Auf-genommenes, sondern sie sind von innenheraus, aus dem die Kirche regierendenGeiste, aus ihren Anschauungen, aus denBedürfnissen ihres Cultus gleichsam orga-nisch hervorgewachsen und wurden ebendeshalb von der Kirche durch alle Jahr-hunderte festgehalten. Es bildete sich aufsolche Weise eine Tradition der kirch-lichen oder heiligen Kunst, die mit ihrenAnfängen in die Kirche der Katakombenzurückreicht. Die fragliche Tradition istaber wesentlich Symbolik, und so hatdenn Wolf gang Menzel das Richtige ge-troffen, wenn er (Christi. Symbolik, Vorw.VI) schreibt: ,alles Kirchliche in der Kunstliegt im Symbol und dieses selbst wur-zelt in den tiefsten Mysterien der Kirche 1 .Demgemäss ist Symbolik wesentlich gleich-bedeutend mit Erforschung und Erkennt-niss jener Regeln und Bestimmungen, anwelche die kirchliche Kunst sich zu hal-ten hat; und da diese Regeln in Bezugauf manche Persönlichkeiten und aufmanche Lehren schon frühzeitig einenkörperlichen Ausdruck gefunden haben,indem feste Typen sich bildeten und bei-behalten wurden: so ist die Symbolik auchinnig verwandt und steht in wesentlicherBeziehung zur altchristlichen T y p i k. An-dere Personen und Darstellungsobjectehaben zwar keinen feststehenden Typus,aber ihre Bedeutung und ihre Charakteresind bezeichnet durch gewisse Beigabenoder Attribute, deren Erklärung man ge-wöhnlich als Aufgabe der Ikonogra-phie bezeichnet, so dass diese ebenfallsals ein Zweig der Symbolik erscheint.

Aus dem Angeführten ergiebt sich diegrosse Bedeutung und Wichtigkeit der