Band 
Zweiter Band. I - Z.
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Symbol und Symbolik.

Symbolik für die gesammte kirchlicheKunst aller Zeiten und darum auch dieNothwendigkeit ihrer Kenntniss für alleKünstler, die irgend ein kirchliches Kunst-werk liefern wollen. Doch dies ist nichtdie einzige praktische Bedeutung derselben,sondern sie ist auch von grosser Wichtig-keit für die Wissenschaft, namentlich fürdie Theologie. Zwar ist sie nicht undkann sie nicht sein ,Quelle des Dogmas 1 ,wozu W. Menzel (Symbolik Yorr. VIII)sie machen möchte, wol aber ist sie einSpiegel des Dogmas und als getreuer Aus-druck der altchristlichen Glaubensentwick-lung und Lebensauffassung eine wichtigeQuelle der Dogmengeschichte und ein nichtzu unterschätzendes Element in der christ-lichen Apologetik. Sollte sie Quelle desDogmas sein können, so müsste sie derLehrentwicklung vorausgehen und dieDogmen müssten eine aus den bildlichenDarstellungen abstrahirte begriffliche Zu-sammenfassung der hinter den Bildernverborgenen Ideen sein, was bekanntlichnicht der Fall sein kann, da die Prioritätder Lehre unbestreitbar ist; auch müsstendie Symbole jedem, selbst dem ungebil-deten Menschen auf den ersten Blick klarund verständlich sein, was gleichfalls nichtder Fall ist, da vielmehr die Erklärungderselben eine sehr schwierige und delicateArbeit ist, die Gelehrsamkeit, Vorsicht undRedlichkeit fordert (Kraus R. S. 2 234).Angesichts der Schwierigkeit der Erklä-rung dürfen wir wol die Frage stellen:welche Regeln haben uns bei der Erklä-rung der altchristlichen Symbole zu leiten ?

Diese Frage beantwortet uns Kraus(R. S. 2 235 f.) in folgender Weise: augen-scheinlich werden wir den zuverlässig-sten Schlüssel zu ihrem Verständnisse be-sitzen, wenn wir uns mit den Anschauun-gen und Gedanken der Künstler selbstoder derjenigen, unter welchen sie lebtenund für welche sie arbeiteten, vertrautgemacht haben. Eine einzige Aeusserungeines Kirchenvaters, der zur Zeit der An-fertigung eines Gemäldes oder kurz nach-her geschrieben, führt uns unvergleichlichtiefer und zuverlässiger in den Sinn derbetreffenden Darstellung ein, als ein ganzerBand voll Hypothesen, mögen dieselbennoch so geistreich und von modernen Aus-legern noch so glänzend unterstützt sein.Die Gewissheit einer gegebenen Erklärungwächst natürlich in dem Maasse, wie sichdie Zahl und Klarheit der beigebrachtenTexte, sowie das Gewicht der angeführtenSchriftsteller mehrt. So würde z. B. eineanscheinende Uebereinstimmung zwischendem Texte eines wenig bekannten Schrift-stellers des 9. und Gemälden des 2. oder j3. christlichen Jahrh. nicht hinreichen,!

um uns mit Sicherheit aus ersterm aufden Sinn des letztem schliessen zu lassen;die Uebereinstimmung könnte möglicher-weise rein zufällig sein. Ganz anders ver-hält sich die Sache, wenn man Zeugnissevon Zeitgenossen des Künstlers oder Sol-chen beibringen kann, welche vor ihnenlebten und dazu beigetragen haben, jenenGedankenkreis, in welchem der Maler sichbewegte, zu bilden; lässt sich auf dieseWeise darthun, dass gewisse Ideen, An-schauungen und der Ausdruck derselbenzu jener Zeit unter den Christen vor-handen und gewissermassen das geistigeEigentlium aller Gläubigen geworden waren,so besitzen wir darin selbstverständlichden besten Führer bei Erklärung gleich-zeitiger Kunstschöpfungen. 1 Als die sicher-sten Anhaltspunkte zur Erklärung deraltchristlichen Symbole müssen demnachausser den etwa beigefügten Inschriftendie heiligen Schriften und die Werke derKirchenväter, besonders die Homilien derletztem, bezeichnet werden. Verlassenuns diese Quellen oder scheinen die ausihnen geschöpften Aufklärungen unzu-reichend und unbefriedigend, so müssenwir unser Urteil zurückhalten und dieErklärung nach weiteren Entdeckungender Zukunft überlassen.

Vergegenwärtigen wir uns zuerst denhauptsächlichsten Inhalt der Darstellungenin den ältesten christlichen Denkmälern,wie sie uns in den Katakomben begegnen,so finden wir eine auffallende Ueberein-stimmung, um nicht zu sagen Einförmig-keit in denselben. ,Es ist imitier derselbeKreis von Vorstellungen, derselbe Cyclusvon biblischen Geschichten, Symbolen undGegenständen, welche wie auf den Deckenund Wänden der Katakomben, wie in denWerken der Sculptur und Glyptik be-gegnen . . . Dieses beweist, dass man dieBilder nicht als etwas Weltliches, demreligiösen Leben Fremdes aufgefasst hat,sondern dass sie alsCultgegenständeangesehen wurden. Welch andern Grundhätten die alten Christen gehabt, das, wassie in Glauben und Verehrung umfingen,in Bilderwerken zu vervielfältigen? Siekonnten es nur thun, um ihre eigene An-dacht zu befriedigen und um gleiche Ge-sinnungen in allen Brüdern der Gemeindewach zu rufen. Noch heute muss es Jodenergreifen, wenn er zwischen den Gemäldender Katakomben umherwandelt, wenn erden mächtigen Christuskopf von S. Cal-listo, die Madonnen von S. Domitilla undPriscilla, die hl. Agnes, das Bild desguten Hirten anschaut: wer sollte sichnicht erschüttert fühlen von der süsseni und erhabenen Majestät dieser Gemälde?! wer sollte ohne Rührung der Thrünen