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nämlich der Zweck, eine Zufluchtsstättenicht nur für die Güter, sondern auch fürdie Menschen zu schaffen, trat besondersin den nördlichen Theilen Europa’s her-vor, als die Mönche anfingen, bleibendeund solide Niederlassungen zu gründen,statt der zuerst errichteten Holzbauten,neben oder auf denen auch an Holzgerü-sten die kleinen Glocken angebracht wa-ren. Doch darüber vgl. die einschlägigeLitteratur ( Otte a. a. 0.; Kreuser Christi.Kirchenbau 2 I 255 ff.; Schnaase Gesch.der bild. Künste III 557 ff. u. s. w.; vgl.Viollet-le-Duc Dict. art. Clocher III 268 ff.).Unter den italienischen Städten gilt Ra-venna als diejenige, wo zuerst eigent-liche Glocken-T. neben den Basiliken er-richtet wurden. Nach Hübsch (a. a. 0.34—35; vgl. Smith’s Dict. art. Tower) wäredies schon im Anfang des 6. Jahrh. ge-schehen, denn der T. neben S. Apollinarein Classe (568 begonnen) stamme aus der-selben Zeit, wie die Kirche selbst; denBacksteinen nach sei aber der Thurm beider Kirche S. Francesco noch älter alsdieser, reiche mithin in den Anfang des6. Jahrh. hinauf, v. Quast (Altchristl. Bau-werke in Ilavenna 34) nimmt die Gleich-zeitigkeit des erstem nicht an, währendRahn (Besuch in Ravenna in Zahn’s Jalirb.f. Kunstwissensch. 306) geneigt ist, Hübschbeizustimmen. Neuestens aber suchte Mo-thes (Die Baukunst des MA.s in Italien,I. Bd. Jena 1884, 80 u. 165) die AnsichtHübsch’s zu widerlegen; er seinerseitsweist etwa dem Ende des 6. Jahrh. zu:den Thurm der Ecclesia Ursiana (vgl. dieArtt. Basilika I 109 und Centralbauten I196 über die zu eitirenden Kirchen), so-wie den untern Theil des Thurmes von8. Giovanni Battista. Um die Mitte desU Jahrh. werden nach ihm die beiden T.v on S. Giovanni Evang. und S. Francesco(8- Pietro) zu setzen sein. Was Rom be-trifft , so machte Hübsch (a. a. 0.) denSchluss: in Ravenna seien die Glockenjedenfalls nicht eher eingeführt wordenäls in Rom, daher müssten auch dort umdieselbe Zeit T. gebaut worden sein, ob-schon keiner aus dieser Zeit erhalten sei.Als die ältesten erhaltenen sieht er dieT. von S. Lorenzo in Lucina und S. Pu-denziana in den untersten Geschossen an.Doch auch hierin widorspricht ihm Mo-thes, der Gregors d. Gr. Initiative die Ein-führung der Glocken und die Erbauungder Glocken-T. zuschreibt. Nach ihm(a. a. 0. 16) wird der Thurm von S. Gio-vanni e Paolo bereits im J. 626 erwähntund in dieselbe Zeit setzt er die unterenGeschosse des Thurmes von S. Agnesetu °ri mura. Andere dem 7. Jahrh. un-gehörige T. Roms sind nach ihm die von
5. Lorenzo in Lucina, S. Giorgio in Ve-labro (um 683) und S. Maria in campoMarzo (690). Auch in anderen StädtenItaliens sind nach Mothes (a. a. 0. 165 ff.)wenigstens Theile von Thürmen aus dem7. Jahrh. erhalten: so in Cimitile bei Nola,wo die berühmte Basilika des hl. Pauli-nus stand; in Lucca (S. 260), in Como(S. 268) und in Parenzo (S. 227); denThurm in Brescia haben wir bereits er-wähnt; in Monza (S. 234) soll der untereTheil des Glockenthurmes noch vom Bauder Theodelinde, also aus dem Ende des
6. Jahrh. herstammen. Aus dem 8. Jahrh.wollen wir bloss aus Rom noch erwähnendie Glocken-T. von S. Pietro (Lib. pontif.In vita Steph. III, ed. Rom. 1718, 376,n. 254), von S. Lorenzo fuori le mura,S. Giovanni in Laterano (vor 755), S. Sil-vestro in Capite (757 erbaut), S. Giovanniin porta Latina, S. Pudenziana, S. Mariain Cosmedin, die beiden letzteren nur inden unteren Theilen (nach Mothes a. a.0. 165 ff.). Allgemein wurden die T. inder altchristlichen Zeit nie; manche Ba-siliken Roms, z. B. S. Sabina, sind nochheute ohne Thurm. Man begnügte sichvielfach mit den einfachen sog. Dachrei-tern, oder einer blossen mit Fensteröffnun-gen versehenen Mauer.
Was die Form der T. betrifft, so sindRavenna die runden Glocken-T. eigen-thiimlich. Bloss zwei der erwähnten, dievon S. Giovanni Evang., S. Francesco(Hübsch Bl. XY 13 u. XVI') und noch eindritter, S. Michele in Afrieisco ( Rahn a.a. 0. 306), sind viereckig, alle anderenaus der altchristlichen Zeit hingegen rund;so ausser den genannten die von S. Mar-tino in Coelo aureo (c. 600), S. MariaMaggiore (c. 600), S. Agata, S. Apollinarein Classe (. Hübsch Taf. XXIII 6 ), S. Apol-linare nuovo, S. Giovanni e Paolo ( Mothesa. a. 0. 174 ff.; Rahn und Quast a. a. 0.).Fast ununterbrochen steigen die Mauer-massen empor, kaum durch schwache Ge-simse gegliedert. Im obern Theile sindsie mit zahlreichen, zu zwei oder dreigruppirten Fenstern versehen, während amuntern Theile bloss einzelne Bogenöffnun-gen sich befinden. Die übrigen T. Italienssind in der Regel viereckig und von sehrcharakteristischem Aussehen, besondersin Rom. Fast ohne Verjüngung erhebtsich der Bau; in dem untern Theil (circa*/ 3 bis V 2 d er ganzen Höhe) sind sie ohneGliederung, dann aber durch manchmalreich verzierte Gesimse in mehrere Ge-schosse getlieilt. Mehrere Reihen von Fen-stern, die in den oberen Theilen gewöhn-lich durch Pfeiler oder kleine Säulen inzwei oder drei Felder gegliedert sind,durchbrechen die Masse, was dem Gan-