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Thiirme.
vgl. 52 ff., pl. XI) häufig auch mit denWohnhäusern verbundenen Thürmen. Sol-len diese Entdeckungen nicht ein Finger-zeig sein für die Untersuchung des U r-sprungs der T. in Verbindung mit Kir-chen im Occident? Bis in die neuesteZeit hinein betrachtete man bei dieserUntersuchung die Kirchen-T. als Glocken-T. und nahm allgemein an, freilich ohneeinen weitern Grund dieser Verbindungzu suchen, die T. seien zur Aufnahmeder Glocken errichtet worden, als mansolche zu gebrauchen begann ( KreuserChristi. Kirchenbau 2 I 251 ff.; AugustiDenkwürdigk. aus d. christl. Archäol. XI407—413; so auch Liibke a. a. 0. I 236).Vor etwa 30 Jahren aber begannen neueUntersuchungen und man wollte in ganzverschiedenen Motiven die erste Idee derErbauung von Thürmen finden. Klein (DieKirche zu Grossenlinden, Giessen 1857,28 ff.) wies hin auf die symbolische Be-deutung der T.; Weingartner (Urspr. undEntw. des christl. Kirchengeb., Lpz. 1858,136, n. 4) dachte an die thurmähnlichenGrabmäler der Alten und lehrte (Systemdes christl. Thurmbaues, Göttingen 1860)demgemäss, dass die T. eigentlich imTodtencult ihren Ursprung haben. BeideAnsichten bekämpfte mit Recht Unger(Zur Gesch. der Kirchth. in Jahrb. derAlterthumsfr. im Rhein! 1860, 21—64);er wies neben anderen Gründen, welcheauf die Entstehung der Kirch-T. Einflusshatten, besonders auf den Gebrauch vonThürmen in Asien, speziell Indien undPersien, hin, wo die Wiege des christ-lichen Thurmbaues zu suchen sei. AuchRicci (Storia dell’ architt. in Italia, Mo-dena 1857, I 193) findet in Indien undAssyrien die Urtypen unserer T. Dochauch diese Ansicht ist unhaltbar und ein-seitig; sie berücksichtigt nicht, dass jenach den Zeit- und Ortsverhältnissen dieeinwirkenden Umstände verschieden wa-ren. Was zunächst die uns besonders be-schäftigende altchristliche Zeit betrifft, soentwickelte sich in ihr bekanntlich diekirchliche Architektur in zwei Hauptrich-tungen: der basilikalen und der centralenAnlage (s. die Artt. Basilika I 109 undCentralbauten). Bei mehreren Bauten derletztem Art finden wir nun bereits sehrfrüh thurmähnliche Ansätze. So hatteS. Lorenzo in Mailand ( Hübsch Altcliristl.Kirchen, Taf. XV 1 ) in den vier Eckenzwischen den Apsiden viereckige Bauglie-der, die nach Hübsch ursprünglich ein Ge-schoss höher waren als die Mauern derSeitenschiffe, und so wirkliche T. bildeten.Neben der Vorhalle von S. Vitale in Ra-venna, 526—547 errichtet, wurden zweiRund-T. angebaut, die als Treppenhaus
dienten zu den Emporen der Seitenschiffe{Hübsch a. a. O. Taf. XXII 5 ; vgl. v. QuastDie altchristl. Bauw. von Ravenna 28),eine Disposition, die unter Karl d. Gr. amMünster von Aachen nachgeahmt wurde(Otte a. a. 0. 69). Auch an der Sophien-kirche giebt es solche Rundthürmchen, dieals Treppenhäuser dienen {Salzenberg Alt-christl. Baudenkm. in Const. 23, Bl. XI
u. XII). Ein Jahrhundert später treffenwir nach Mothes (Die Bauk. des MA.s inItalien I 244—245) am Dom in Brescia,einem Centralbau, einen massiven Thurman der Front, den zwei Rund-T. mit Trep-pen flankiren. Aus derselben Stadt istuns ein Kästchen mit Sculpturen erhalten,auf dem u. A. Jesus lehrend dargestelltist {Odorici Antich. di Brescia, tav. V 10 ;Garrucci tav. CCCCXXXI), und er sitztdabei in einem von zwei viereckigen Thür-men flankirten Rundbau. Auch am Domin Trier waren nach Otte (a. a. 0 69) solcheTreppen-T. Quicherat’s Restitution derBasilika des hl. Martin in Tours (Revuearch. 1869, I 313 ff. 403 ff.) giebt diesergegen 472 vom Bischof Perpetuus erbau-ten Basilika einen Mittelthurm über derKreuzung des Transeptes in ähnlicherStellung, wie die erhöhte Kuppel auf derGrabkirclie der Galla Placidia in Ravenna(s. d. Art. Centralbauten I 202—203). Ersehliesst dies aus alten Beschreibungendes Baues und aus Inschriften, die nachalten Codices {Le lilant Inscr. I 231 ff.),turre‘ angebracht waren. Auch die Versedes Venantius Fortunatus (Carm. 1. III 7,
v. 31 sqq., ed. Rom. 1786, 85) über dieKathedrale von Nantes (c. 570 erbaut)versteht er von einem solchen Mittelthurm.Aus diesen Monumenten ist wol der Schlusserlaubt: dass im 5. und 6. Jahrh. an denkirchlichen Bauten T. oder thurmähnlicheTheile nicht unbekannt waren, die theilsals Treppenhäuser, theils aus bloss ästhe-tischen Gründen in den Plan aufgenom-men wurden. Als man nun begann, ver-mittelst kleiner Glocken die Gläubigenzum Gottesdienst zusammenzuberufen (s.d. Artt. Glocken und Glockensurrogate I621), und es galt, diese so anzubringen,dass deren Schall weithin hörbar wurde,erboten sich die bereits bestehenden T. alsdazu sehr geeignet. So hatte man eigent-liche Glocken-T., die dann wol als Vor-bilder dienen konnten, nach welchen häufigbei schon bestehenden sowol als bei neuzu erbauenden Kirchen T., jetzt mit domHauptzweck, Glocken aufzunehmen, er-richtet wurden. Dies empfahl sich um somehr, als ja die unteren Räume der dar-um sehr fest gebauten T. als sichererAufbewahrungsort für die kirchlichen Ge-räthe dienen konnten. Letzteres Moment,