Toleranzedicte.
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tragung wörtlich eingerückt. Das Schutz-edict Marc Aurels endlich resp. jenesSchreiben, welches er nach dem Quaden-feldzug des J. 174 an den Senat gerichtethaben soll, findet sich auch lateinisch undgriechisch hinter der ersten Apologie Iu-stins (1. e. 276—281). Iustin hat es na-türlich noch nicht gekannt, da er bekannt-lich schon im J. 165 oder spätestens 167den Martyrtod erlitt (vgl. Ruinart 105,n. 11. 12). Aber schon zwei bis drei De-cennien nach dem Tode des Kaisers spieltTertullian (Apol. c. 5; Ad Scap. c. 4) aufjenes Schreiben Marc Aurels und jenewunderbare Begebenheit an, die ersteresveranlasst haben soll. Ich will nun nichtbehaupten, dass alle diese Documente ihremgesammten Inhalt nach als Fälschungenanzusehen sind; es liegt ihnen, namentlichdem Hadrian-Rescript, ein bestimmter hi-storischer Kern zu Grunde, aber siemüssen sämmtlich insofern alsapokryphe Actenstücke gelten,als sie in der Voraussetzung gi-pfeln, die betreffenden Kaiserhätten selbst die gerichtlichenAnklagen von Christen als sol-chen bei strenger Strafe unter-sagt, also das Christenthum alsreligio licita betrachtet. Wir könnenaber nachweisen, dass das Traian’sche Re-script während des gesammten 2. Jahrh.als Reichsgesetz gegen die Christen ge-handhabt wurde; Folgendes sind meineBeweise: 1 ) Iustin. Apol. I, c. 4 heisst esu. A.: elI övopaxo? pev fap fj eraxivo? r) xö-Xaai? oüx äv eüXöyio? -yevoixo, v)v pi]xi ivdpe-xov T| cpaüXov öl’ epfiov dTxoöei'xvoaflai öovrjxai -xai yap xaxirpfopoupevou? i'f upüv -dvxa? itplvsXeYyftrjvai ou xipiopeixe, l'f Ijpiüv oe xo clvopa<o? eXeyyov Xapßavexe, xaiürep, daov 7 s ex xoüdvöpaxo?, xoü? xaxxjYopoüvxa? pdXXov xoXd£eivöcpei'Xexe. Xpiaxiavol ^dp elvai xaxx) 7 o-poüpefia . . . Kai naXiv, eav pex xi?xü»v xaxrii'opoop.eviuv eijapvo? yE-VTr)-xai tt) ipiuvTj pd| elvai cpxjaa?, dcpiexeauxöv ui? p x; 8 e v IX e 7 y e i v epvxat«papxavovxa, eav öe xi? öpoXoYijax)stvai, öia xdjv öpo Xo Yiav xoXaJexe-oeov xai xüv xoü öpoXoYoüvxo? ßiov sulVu-veiv xai xöv xoü apvxjaapevou, orcui? öia xiüvixpa;e<ov oTtoiö? laxiv Sxaaxo? ipaivxjxai. Die-ses hier gerügte Verfahren der kaiser-lichen Behörden entspricht ganz genaudem Traian’schen Rescript; es begegnetuns hier wieder sogar der eigentümlicheAusdruck .Leugnen des Christenthums 1statt ,Rücktritt zur Staatsreligion 1 . In derersten Hälfte der Regierung des erstenAntoninus, in den J. 138—150, war alsodie Instruction Traians ganz unzweifelhaftReichsgesetz. 2) In seiner zweiten Apo-logie, die er kurz vor seinem Tode dem
Kaiser Marc Aurel überreicht hat, erzähltIustin , der römische Stadtpräfect Urbicushätte drei Christen bloss wegen ihrer Zu-gehörigkeit zum Christenthum hinrichtenlassen (Apol. II 2); also auch in den er-sten Regierungsjahren Marc Aurels (161bis c. 165 resp. 167) wurde sicher dasTraian-Rescript gegen die Christen ange-wandt. Dasselbe lässt sich aber 3) auchvon der letzten Regierungsepoche des phi-losophischen Kaisers behaupten. Denn aufdie Anfrage des Präses der Lugdunensis,was mit den zu Lyon in Untersuchungbefindlichen Christen geschehen solle, re-scribirt Marc Aurel im J. 177 ganz con-form der Traian’schen Entscheidung, mansolle die überzeugungsfesten Christen mitdem Tode bestrafen, die Leugnendenaber freilassen (vgl. Euseb. H. e. V 1 ,n. 44. 47 [ed. Dindorf vol. IV]: iirtaxeiXav-xo? 701 p xoü Kaiaapo? xoü? pev aroxopra-via&xjvai, ei öe xive? apvoTvxo, öbxoXo-bxjvai). Entscheidend ist aber 4) Eus.H. e. V 21, wonach selbst während derchristenfreundlichen Regierung des Com-ni o d u s der Senator Apollonius auf seineWeigerung, seine christliche Ueberzeugungzu verleugnen, hingerichtet wurde, nacheinem ,alten 1 Gesetze, welches die Todes-strafe über die einmal dem Richter vor-geführten Christen verhängte, falls dieseihren Glauben nicht abschwuren (■.. xecpa-Xr/.x) xoXdaet <5>? öuö öoypaxo? atr/xXTjXouxeXeioüxar p■?) ö’ aXXio? atpeTollai xoü?a xx a ü ei? öixaaxxjpiov xxapovxa? xaipxjöapöi? xrj? irpofieaeiu? pexaßaXXo-pevoo?, öpyaioo Ttap’ auxoü vöpooxexpaxxjxöxo ?). 5) Endlich erhellt aus
Tertull. Ad nat. I 2. 3 (ed. Oehler ), dassselbst noch unter Septimius Severus,d. h. während seiner ersten Regierungs-periode 193—202, das Traian’sche Rescript,wenn auch nicht gerade oft mehr ange-wandt, als Reichsgesetz galt. Das Traian-Rescript blieb also während des ganzen2. Jahrh. in Kraft, und selbst noch unterCommodus und Septimius Severus, unddies lässt sich, was die uns hier interessi-renden Imperatoren betrifft, für AntoninusPius und seinen Adoptivsohn noch spe-ziell nachweisen. Mit Fug stellt alsoR. A. Lipsius (Chronol. der röm. Bischöfe170, Anm.) folgende These auf: ,in jenerganzen Zeit (d. h. in den Tagen Hadriansund des Antoninus Pius) und bis zum An-fang des 3. Jahrh. . . . war das Verfahrengegen die Christen nach den VorschriftenTraians geregelt . 1 Dagegen fehlt es fürdie Regierungszeit Hadrians allerdingsan einem speziellen Beweise. Höchstwahrscheinlich waren aber diese besonderenBelege, die wir heute vermissen, in denleider verloren gegangenen Apologieen des