Trauer.
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Wirklichkeit zu vervollständigen geeignetist. ,Wir können nicht umhin zu trauern 1 ,sagt Chrysostomm (In Ioan. hom. LXII 4),die T. ist eine Forderung der Natur (Hom.de dormient., ed. Montfaucon I 764 E),einer der ,menschlichen Zustände, die nachder gesetzten Ordnung und nach derNatur, die uns zu Theil geworden, ein-treten müssen 1 (Äug. Conf. IX 12); denn,ein Doppeltes quält uns: entweder dasVerlangen nach den Hingeschiedenen oderdie Meinung, dass dieselben der Annehm-lichkeit ihres Lebens und der Früchteihrer Arbeit beraubt seien 1 (Ambros. Deresurr. c. 14). Wer der Betrübniss umden Tod der Lieben ,aus dem Wege gehenwill, der gehe auch, wenn er kann, allenfreundschaftlichen Unterredungen aus demWege, untersage oder untergrabe allesfreundschaftliche Gefühl, zerreisse in rohemStumpfsinn des Herzens die Bande allermenschlichen Verbindungen, oder erachte,man müsse derselben also sich bedienen,dass davon keine Süssigkeit ins Herz über-ströme. Ist dies nimmermehr möglich,wie soll dann das geschehen, dass uns der iTod desjenigen nicht bitter ist, dessenLeben uns süss ist? 1 (Äug. De civ. DeiXIX 8). ,Ich verbiete die T. nicht, 1sagt darum Chrysostomus (Hom. de dorm.,ed. Montfaucon I 764), .sondern nurihre Leidenschaftlichkeit. 1 ,Auchim Unglück muss das Maass beachtetwerden, das im Glück gefordert wird.Oder wie soll übermässige T. sich gezie-men, wenn übermässige Freude sich nichtziemt? 1 (Ambros. De resurr. c. 11). .Sol-len die Christen, welche sich in allenDingen von den Heiden unterscheiden, inden Todtengebräuchen ihnen gleich sein? 1(Chrysost. Hom. de dorm., ed. MontfauconI 766 B). Was sollen die Heiden ange-sichts der heidenmässigen T. der Christenüber die Auforstehungslelire derselbensagen, als: ou aup-ßaivst toTc öö^pasn xh. fivo-p-sva (Chrysost. 1. e., ed. Montfaucon 1765 B).,Der Seelen-T. gesellt sich die Thränedes Auges zu 1 (Ambros. De vid. c. 6),welche gleichsam ,das Blut der Seelen-wunden 1 ist (Greg. Nyss. Or. fun. de Pla-cilla imper., cd. Migne 880 0: tCW t%"Pzupcixcuv Sarsp algct xb odv. puov). ,Traureund weine, 1 sagt Chrysostomus (Hom. dedorm. I 765 A), ,wio dein Herr den La-zarus beweint hat. 1 .Nicht jedes Weinenist ja Ausfluss des Unglaubens oder derSchwachherzigkeit. Ein anderes ist derSchmerz der Natur, ein anderes das Klagendes Misstrauens, und es liegt gar weit voneinander ab, das zu wünschen, was manbesessen, und das zu betrauern, was manverloren hat 1 (Ambros. De excessu fr. Sa-tyr. c. 10). Es ist ferner ,bei zarten Ge-
müthserregungen eine Wohlthat, weinenzu können; im Thränenthau verhauchtsich heftiger Schmerz 1 (Anibr. De obituValent, c. 41); ,die Thränen mindern denSchmerz, erleichtern die Seele und nützendem Lebenden, während sie den Todtengewidmet sind. Jene darf in der Thatsieh nicht mehr elend dünken, welche inThränen, die der Liebe Sold, der TreueBeweis (caritatis stipendia et pietatis of-ficia) sind, ihre Tröstung findet 1 (Ambros.De vid. c. 6). Doch ,sollen die Thränenauch versiegen; ein Unterschied muss auchhier zwischen den Dienern Christi undden Verehrern der Götzen bestehen; diesemögen ihren Thränen keine Unterbrechung,ihrem Schmerze keine Ruhe gestatten,weil sie an das Ruhen der Todten nichtglauben; uns aber, denen das Sterbennicht der Tod der Natur, sondern nurdas Ende dieses Lebens ist, wobei dieNatur selbst zum Bessern verwandelt wird,uns soll der Eintritt des Todes auch dieThränen allzumal trocknen 1 (Ambros. Deexcessu fr. Satyr, c. 70). ,Die Thränensind verabscheuungswürdig, voll Gottes-lästerung und voll Unglauben, welche keinMaass halten 1 (Hieron. Ad Paul. c. 6,ep. 39; vgl. In Ioan. hom. LXII 4). Eserschien ferner ausser den Thränen als,ein naturgemässes und geeignetes Heil-mittel für die Trauernden das Still-schweigen, indem es die Wallungender Seele durch die Zeit und T. ruhigausgähren lässt 1 (Greg. Nyss. Or. fun. dePlacilla imper., ed. Migne 877 sq.). ,Wieeinem entzündeten Auge selbst das ein-fachste Linderungsmittel Schmerz verur-sacht, so scheint auch einer von tiefer T.niedergebeugten Seele die Rede, wie tröst-lich sie immer sein mag, doch lästig zusein 1 , und da Worte den Schmerz nichtlindern, so bedürfe es des Gebetes, sagtBasilius (Ad uxor. Nect. c. 2, ed. Maur.ep. 6). Der Gemüthszustand des Trauern-den verlangt einen Gegensatz gegen diegewohnte Kleidung und Lebensweise: lu-gentium mos est prioris habitus immutatio(Servius zu Aen. XI 93; Blut. Quaest.Rom. 14). Als unchristlich (aliena, ex-tranea) und darum unerlaubt bezeichnetChrysostomus die T.-Kleider (De consol.mort. serm. II 6); dagegen billigen sie dieAbendländer: Salvina hat an der Todten-bahre ihres Mannes ihr mit Karmin undBleiweiss geschminktes Angesicht mitThränen abgewaschen, ein T.-Kleid undschwarze Stiefelclien nach Ablegung derglänzenden Kleider und des goldgesticktenBundschuhwerkes angelegt; ,du hast nun, 1schreibt ihr Hieronymus (c. 7, ep. 79), ,nichtsAnderes mehr nöthig, als auszuharren;Blässe des Angesichts und T.-Kleider seien