Band 
Zweiter Band. I - Z.
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Unzucht.

Seiten genügt: ich war gehorsam demKaiser, aber ich habe nicht geschwiegenüber das, was gegen Gott zu gehen scheint 1(Ep. III 65, Migne LXXYII 665).

2) Aber die Christen gingen noch wei-ter, als oben angegeben ist: sie betetenfür die Kaiser und weltlichen Obrigkeiten,selbst für die heidnischen: eine Uebung,welche in die apostolische Zeit zurück-geht. Fast alle alten Liturgieen und zahl-reiche Schriftsteller geben hiervon Kunde;die Christen sahen dies als eine Pflichtan. ,Wir beten für das Wohl unseresKönigs und derer lv ujrspoyj; und dasganze Heer“, sagt die Liturg. Giern. Poly-carp. Ad Philipp, c. 12: orate etiam proregibus et potestatibus et principibus. Vgl.Arnob. Adv. gent. IV 36 und besondersTerlull. Ad Scap. c. 2; Apol. c. 30. 31. 39und andere Schriftsteller. Athanas. Apol.ad Const. zeigt, dass die Kirche auch fürden häretischen Kaiser Constantiusbete. Theophyl. In I Tim. 1, 12; HefeleBeiträge II 299 ff.; Zaccaria Bibi. rit. I,VI ff.; Mangold De ecclesia primaeva procaesaribus et magistratibus Romanis pre-ces fundente. Das älteste Formular desöffentlichen Kirchengebetes mit Fürbittefür die Obrigkeit besitzen wir jetzt inden von Bryennios neu entdeckten c. 59, 3bis 61, 3 des Briefes Clem. Rom. ad Cor.(ed. Funk PP. apost. 137 f.). krieg.

UNZUCHT. 1) Fornicatio, icopvEi'a, wirdin verschiedenem Sinne aufgefasst: in wei-term als jede Verletzung der standes-mässigen Keuschheit; im engern aber alsdie geschlechtliche Verbindung ,soluti cumsoluta', genauer U. zwischen zwei ledigenPersonen männlichen und weiblichen Ge-schlechtes, die nicht verwandt sind inner-halb der verbotenen Grade. So auch Aug.Quaest. in Deuter, n. 37; vgl. die Artt.Ehebruch I 386, Incest II 31 und Sodo-mie II 763. Die Ep. Barnab. c. 19 unter-scheidet uopvei'a, [xor/Eia und mxiSocpilopi'a.Uebrigens schwankten die älteren Väterin der Definition von Fornicatio. So be-zeichnet Basil. Ad Amphiloch. c. 21 dasVergehen eines Verheirateten miteiner Ledigen als icopvEi'a, nicht als p-orysia,während Greg. Nyss. Ep. can. und Balsam.zu dieser Stelle erklären: rcopvsia Ivjzxaif ( y<opls äSnia; stlpoo rflo ov i) 7tp6c

iXeuilepav avSpäc -fuvaiy.a. Ebenso Theophy-lact. In Matth. 5, 32. Richtiger sagt Am-bros. De patriarch. I 4: nec viro licet quodmulieri non licet; eadem a viro quae abuxore debetur castimonia, d. h. ein Ver-gehen genannter Art ist von dem Mannewie von der Frau ,adulterium‘, nicht etwabei dem erstem nur ,fornicatio', wie einigeGriechen es fassten. Der Concubinatl

(s. d. Art. I 324) ist eine spezielle Formder U., nämlich die fortgesetzte Forni-catio. In den Pönitentialbüchern (desMA.s) wird das Wort Fornicatio für jedeArt von U., natürliche und widernatür-liche, angewendet, z. B. bei Theodor. DePoenit. I 2, während die späteren Kanö-nisten für U. in letzterm Sinne luxuriasetzten.

2) Die sittliche Auffassung derU. im Christenthum anlangend, so hattenamentlich der Apostel (I Kor. 6, 9; Hebr.12, 16; 13, 4; Röm. 1, 21 ff.; I Tim. 1,9. 10) den Kanon der christlichen Ethikaufgestellt: alle Arten von U. sind einGreuel und stehen als spezifisch heid-nische Laster neben der Abgötterei; alsNegation der christlichen Sitte widerstrebtdie U. den ,Heiligen und Gerechten' (I Kor.6, 9. 11). Besonders den Heidenchristengegenüber musste die Enthaltung von U.zur Pflicht gemacht werden, weil in derHeidenwelt die U. kaum als ein Vergehengalt. Daher das Aposteldecret (Apg. 15,20. 29; 21, 25) und die wiederholten Mah-nungen, die U. zu fliehen (I Kor. 6, 18;Eph. 5, 3. 5). Abtödtung und Entsagungist die Signatur des Christenthums, dasdem ,heidnischen, götzendienerischen La-ster' die Virginität entgegensetzte und umso entschiedener gegen dasselbe reagirte,je weiter es in allen Volksschichten dessinkenden Heidenthums als das Lasterverbreitet war; hatte sich doch die U.selbst in den heidnischen Cultus einge-schlichen und hatten so Götzendienst undU. einen Bund geschlossen. Dazu trat diechristliche Anschauung vom Auferste-hungsleibe, eine Idee, völlig neu unddurchschlagend; ferner die Lehre, dassder einzelne Christ Glied am Leibe Christiist. ,Wie kann der Leib,' ruft Chrysost.Hom. 30 in Hebr., ,der ein Werkzeug derBuhlerei geworden, Christi Leib sein?'Deshalb dachten die christlichen Väterauch besonders an die U., wenn in derAbrenuntiatio bei der Taufe die Umkehrvom (heidnischen) Laster zur christlichenEntsagung gelobt ward. Die Apologetenweisen oftmals auf die neue Moral hin:lustin. Apol. I 15; Tertull. Ad nat. c. 11;Apol. c. 1; Orig. C. Cels. I 26; Euseb.Praep. evangel. I 4. Selbst dem PliniusEp. 67 fiel der Umstand auf, dass dieChristen ,se sacramento obstringere, neadulteria committerent'. Die Diüache c. 5rechnet die KopvEia mit Mord und Götzen-dienst zum ,Wege des Todes', d. i. zu denTod- oder schweren Sünden (vgl. c. 2).Auch Iren. IV 27. 28 rechnet die Concu-piscentia carnis und die Idololatrie zuden Sünden, welche dem Tode überliefern.Dies die Anschauung der älteren Väter,