Band 
Zweiter Band. I - Z.
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Vigilien.

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oben genannten Stellen schon zeigen. DieseV. waren in der gesammten Kirche inUebung und gar oft icavvo^t'Ssc. Chrysost.Horn, de martyr. {Montfi. II 668): feonjaaTeTTjv viixra (vor dem Martyrerfeste) r ( pipavöia töiv tspüiv 7iawjyto«)v. Auch vor derTranslation der Reliquien wurden V. ge-feiert; so hielt Ambrosius vor Uebertra-gung der hl. Gervasius und Protasius indie neu gebaute Basilika ,tota vigiliasnocte* (Ep. 2 ad Marcellin.). Daher dieSitte, vor dem Consecrationstage einerneuen Kirche bei den dahin gebrachtenReliquien zu wachen. Nicht selten wird,vigilare‘ geradezu für ,v. festorum marty-rum celebrare 1 gebraucht (Act. Cyprian,c. 15, Ruinart 259). Bei Ignatius und Cy-prian hielt das Volk V. ,in ipsa die pas-sionis sive martyrii“, d. i. in der Nacht vorderen Leiden (s. die schönen Schilderun-gen Act. Ignat. c. 7 und Act. Cyprian, c. 15).

k) Von ausserordentlichen V. ingrossen Nöthen lesen wir öfter ( Chrysosto-mus Hom. 20 de stat. und Hom. 40 adIuvent.: ouvtpsyovTojv tcoXXöjv 'jjaXp.ioSiatc cov-Eyelj £teXouvto jtaw/ySet ispai). So hielt inMailand das Volk V. während der Ver-folgungen durch die arianische KaiserinIustina ( Augustin. Conf. IX 7): in dersel-ben Noth: Ambrosius ieiuniis continuatis-que vigiliis sub altare positus . . . se de-fensabat {Rufin. I 12; II 16). Man kanndiese V. mit den Rogationen vergleichen.So hielten in Constantinopel die Arianereine avp'jnvta von sieben Tagen und siebenNächten {Goar Eucliol. 609).

7) Ort der V. Die feierlichen gemein-samen V., die als liturgische Verrichtunggalten, wurden in der ,Kirche 1 gehalten,diese mochte Haus-, Coemeterial- oderKirche im heutigen Sinne sein, und zwarstets da, wo auf die Vigil das Fest gefeiertwurde. Private V. wurden nicht selten inPrivathäusern und auf den Gräbern derMärtyrer gehalten. Solches (private .Wa-chen 4 ) verbietet c. 35 der Synode von Elviraden Frauen (ne feminae in coemeterio per-vigilent), nicht aber die Theilnahme anden gottesdienstlichen V., wie irrthiimlichaus dem Kanon herausgelesen wird.

8) Verpflichtung. Die Christen wa-

ren zum Besuche der V. als eines Theilesdes öffentlichen Cultus verpflichtet. Deut-lich bezeichnet Origenes C. Cels. VI 41dies als eine Vorschrift, und Augustin.Serm. 55 de temp. ermahnt, zu den V. zukommen: nullus se a sancto opere sub-trahat, nisi quem infirmitas aut publicautilitas aut forte certa et grandis neces-sitas tenuerit occupatam. Vgl. die Be-stimmungen des genannten C'onc. Matisc.° Ue ! jri ü ens fiel diese Verpflichtung

nach Entwicklung des Horendienstes mit

der Pflicht, dem Officium nocturnum bei-zuwohnen, zusammen (s. d. Art. Officiumdivinum II 536). Noch im 12. Jahrh. ver-langte Otto von Bamberg, dass die Laienan den V. vor hohen Festen und in derQuadragesima theilnähmen.

9) Missbräuche und Aufhebung.Während die älteren Kirchenschriftsteller{Hippolyt, c. 25. 27; Tertull. Apol. c. 39u. A.) den nächtlichen Gottesdienst gegenungerechte Verdächtigungen der Heidenvertheidigen mussten, konnte es nicht aus-bleiben, dass eine solche Einrichtung imLaufe der Zeit wirkliche Unzukömmlich-keiten mit sich brachte. Und so verneh-men wir, besonders seit dem 4. und5. Jahrh., Stimmen über Ausartungen undMissbräuche, welche sich an die V. hingen.Insbesondere musste die Zwischenzeit zwi-schen den V. etwa bei Tagesanbruch unddem Hochamte Gelegenheit zu Unfug bie-ten : Manche vertrieben sich die Zeit mitSingen, Tanzen, Trinken in den Nachbars-häusern der Kirchen, ja sogar in diesenselbst fehlte es nicht an Ungebührlich-keiten. Schon der citirte c. 35 der Synodevon Elvira deutet auf Missbrauche hin.Hieronymus warnt Ep. 11 (al. 107) § 9 dieLaeta, ihre Tochter während der Vigil,ne transverso quidem ungue* von der Seitezu lassen. Aber namentlich in Gallienscheint viel Unfug vorgekommen zu sein.Eine Constitution Childeberts {Har-douin III 334) klagt: noctes pervigiles cumebrietate, scurrilitate vel canticis, etiamin ipsis sacris diebus pascha, natalis Do-mini et reliquis festivitatibus vel adve-niente die Dominico dansatrices per viamambulare etc. Aber auch zu abergläubi-schen Handlungen gaben die V. Anlass,insbesondere auch insofern Manche einePrivatvigil gelobten und in Privathäusernabhielten. Darauf gehen die Verfügungender Synode von Auxerre (Antissiod. um 578)c. 3: ne licet compensos (= oblata) in domi-bus propriis nec pervigilias in festivitatibussanctorum facere . . . vel ad fontes votaexsolvere, sed quicumque Votum habuerit,in ecclesia vigilet etc., und aus demselbenGrunde bestimmt der c. 5: omnino et intersupra dictas eonditiones pervigilias, quasin honore domni Martini Observant, omni-modis prohibete. Auf solche Missbräuchebeziehen sich Fragen in den Bussbüchern,wie die in Theodors Poenitentiale: si ivitad choreas et nmxime in ecclesia et de-vote, sicut quidam, qui faciunt vigilias infestis ... et faciunt ludos inhonestos (vgl.Baron. Ad ann. 599, n. 53. 54). Ein Haupt-gegner der V. war bekanntlich der Pres-byter Vigilantius, Zeitgenosse des Hiero-nymus; seine Angriffe lernen wir ausdes Letztem Gegenschrift Contra Vigilant.