Band 
Erster Band: Unter-Italien.
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VorworK zal* ^Bra tren Auflage.

VV ährend den alten Römern der Golf von Neapel , welchen Cicero einenüppigen Krater nennt und Ovid als den Sitz des Vergnügens preist, ein Hauptzielder Erholung und Zerstreuung war, so bietet er jetzt der veränderten Gemiiths-welt der Gegenwart die stimmungsvollsten landschaftlichen Reize. Wie schonin antiker Zeit der grosse Strom der Reisenden nach Kampanien wanderte, sonoch jetzt; aber die herrliche Küste soll gegenwärtig dem Touristen nicht nur denvergnüglichen Genuss oder den Glanz der feinen Welt darbieten, sondern eineneue Offenbarung der Naturschönheit. In glücklichster Selbstvergessenheitbelauscht der moderne Mensch an diesem überschwenglich schönen Gestade dasEcho seines eigenen beseligten Innern; die entschleierte Natur und Geschichteverleihen dem Angescliauten die Sprache. Eine alte Sage berichtet, dass andiesem Golf die Sirene Parthenope, eine verlockende Muse der See, der schönst -gelegenen Stadt Ursprung und Namen gegeben habe, und Cicero hat diesemdämonischen Wesen des Meers die sinnige Auslegung gegeben, dass die Menschenhier durch Betrachtung ernsterer Dinge zur Begierde nach tieferer Erkenntnisgetrieben würden. In altrömischer Zeit weilten hier die Beherrscher der Erde,die Vornehmen und Reichen, um in Freiheit »griechisch« zu leben und, wieStrabon sagt, von ihren seit ihrer Jugend gehabten Anstrengungen auszurulien oderweil sie sich nach einer behaglichen Müsse sehnten; jetzt bei unserem innerlichbewegtem Gemuth hat die wahre Lust am dolce farniente die tiefere Bedeutungder Reinigung des Werktagslebens durch die Phantasie. Virgil schuf zu eben derZeit, da ihn Parthenope zu süssem Nichtsthun gefangen, seine anmuthreichstenGedichte; Kaiser Claudius sammt den Seinen kleidete sich in griechische Ge-wänder; Nero trat, wie Sueton erzählt, zum erstenmal in Neapel als Dichterund Musiker auf und führte selbst, als ein plötzlicher Erdstoss das Theatererschütterte, in ungestörtem Eifer seinen Gesang zu Ende. So weckte selbst inder verkommensten Seele dies reizende Land die Begeisterung.

Und wie ganz anders und läuternder in der jetzigen Zeit! Wer aus dermelancholischen Schönheit der römischen Campagna dem Zaubergarten desneapolitanischen Golfs zueilt und hier jedes Landschaftsgemälde wie eine ent-zückende Naturdichtung in dem poetisch erregten Gemüth nachempfindet, demwird für alle Zeit die Naturschönheit als der Genius der äussern Welt offenbar.Wer hat nicht schon in zarter Jugend den Lieblingstraum gehegt, in diesemHesperien zu wandeln? Und wenn der Traum zur Lebenswirklichkeit geworden