Band 
Erster Band: Unter-Italien.
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273-274
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273 4. Neapel (Museum, Obergeschoss: Papyri, Kupferstiche, Gemälde). 274

Auf den Modellsaal folgen zweiZimmer mit der

Sammlung der Papyri,d. h. an der Oberfläche verkohlte Schrif-ten auf Bast der Papyrusstaude ge-schrieben, die im Peristyl einer Villain Herculaneum unter dem Klostergartenvon S. Agostino in Resina 1753 in einemkleinen Raum gefunden wurden; 756um Stäbe gewickelte Rollen (Volumina)aus langen Papyrusbändern, die nur aufeiner Seite beschrieben sind und ausaneinander geklebten Stücken bestehen.Sie befanden sich in mannshohen Wand-schränken (wie in Archiven) und ineinem Mittelgestell. Winckehnann be-richtet, dass das Holz dieser Gestellezusammenfiel, sowie man dieselben an-riilirte. 500 Manuskripte hat man bisjetzt aufgerollt; leider sind es nur un-bedeutende Schriften von epikuräischenPhilosophen in griechischer Sprache(Epikur, über die Natur; Philostrat ,über den Ehrgeiz; Metrodor , über dieEmpfindungen; neun Abhandlungen desPhilodemos über die Musik, die Lasterund die Tugenden, die Rhetorik, die Sit-ten u. a.). Das einzige lateinische Werkist ein dem Rabirius zugeschriebenes Ge-dicht über den Krieg des Cäsar und An-tonius. (In demselben Haus fand maneine Reihe von ausgezeichneten Bronzen.)

1876 wurden in Herculaneum eineMenge Täfelchen mit Kontrakten ge-funden (jetzt im 1. Zimmer auf bewahrtund schwer zugänglich), sogen, tavolettepugillari.

Sie enthalten etwa 80 Verträge, undjeder Vertrag ist Diptychon (zu zwei Tafeln)oder Triptychon (zu drei Täfelchen). DieTäfelchen sind mit Wachs überzogen, undwurden also mit dem Schreibgriffel einge-ritzt; einige tragen jedoch Spuren von Buch-staben, welche mit Dinte ausgeführt wur-den. Sie werden jetzt vom Direktor desMuseums, De Petra, herausgegeben.

Zur Aufwickelung der Papyri wurdenviele vergebliche Versuche gemacht, bis derPiter Antonio Piaggi, ein. Genuese, Scrit-tore der vatikanischen Bibliothek, eine Ma-schine erfand (einer Buchbindorlade ähn-lich), vermittels deren die Schriftrolle, ohnedieselbe direkt zu berühren, sanft gewälztund gedreht werden kann, während seideneFäden das mit Leim bestrichene und aussenmit Blasen belegte Papier leise anziehen,

Unter-Italien- I.

wobei sich der gefütterte Streifen von derRolle ablöst und oben um eine Walze aufLagen von Baumwolle gezogen wird. Mansieht im Nebenzimmer solche Maschinen inThätigkeit.

Gegenüber dem Hauptzimmer derPapyri, unmittelbar vor dem Eintritt zurGemäldegallerie, liegt der Saal mit der

•• Kupferstichsammlung.

(Der Kustode der Gemäldesammlung öffnet.)

Die Sammlung wurde zu Mailand vonGraf Finnian, Governatore der Lombardei ,zur Zeit der österreichischen Herrschaftangelegt, kam dann an das Kaiserhaus inWien und durch dieses au Maria Carolina ,Königin von Neapel. — Victor Emanuel schenkte die Sammlung 1804 dem Museumund fügte viele neuere Kupferstiche bei.

Es sind 19,328 Stiche in 225 Bänden;208 besondere Kupferstiche nebst 985Ilandzeichnungen berühmter Meister undden schönen 50 Spielkarten Mantegna’s. —Im Schrank drei Silberplatten mit In-cisionen von Annibale Caracci und(dritte) seinem Schüler ViUamena vonAssisi. — Paul III-Farnese , Marmorbüstevon Guglielmo della Porta. — * Dante ,Bronzebüste des 15. Jalirh. (angeblichnach der Todtenmaske). — GaraeaUa,Bronzebüste aus dem 16. Jahrh. (Kopiedes Caracalla der Capolavori). — GianGastone de’ Medici , Marmorbüste vonBernini . — Fevdinando de’ Medici vonBernini. — An der rechten Längswand:Kartons. 1. Stück des berühmten Kar-tons der Guerra di Pisa (?) von Michel-angelo (?). 2. Heilige Familie von

Raffael (?); Madonna del divino amore.3. Amor und Venus von Michelangelo (?)(zur Pinakothek). 4. Moses vor demfeurigen Busch, von Raffael (?) (Originalim Vatikan ).

Gegenwärtig (1876) sind auch die imfrühem Raffaelsaal aufgehängten trefflichenaltniederländwchcn und niederdeutschen Bilder:Anbetung der Königin; der Gekreuzigte mitder Familie des Donatoren; die Anbetungdes Kindes mit Donatoren, Heiligen, Mön-chen u. a. (1512); Hieronymus prüft dieWunde des Löwen (1436; in Van der Weydens Manier) ■—hier (provisorisch) aufgestelit

Es folgt die Ostabtheilung der

Gemäldesammlung (Pinacoteea).

I. Saal. Römische Schule (Sola delPolidoro) . Nr. 1. 2.10.47. 53. Giampaolo