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Erster Band: Unter-Italien.
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fi. Baja ■

führten auf dem Lucriner und Averner See erhöhten. Die reizende Lage am Strand,den rückwärts köstliche grüne Hügel um-kränzten, das milde Klima, das allezeit Blu-men und Früchte bot, die Elite der Gesell-schaft, die man traf, luden schon zur Zeitder Republik viele Römer zur Ansiedelungein, und bald entstand eine solche Pracht-krone von Villen am Meer, ins Meer hinausund auf den Hügeln, dass von Bajä bisPuteoli sich nur Eine grosse Stadt hinzu-dehnen schien. Die Schwefelbäder, Schwitz-bäder (das berühmte ad Myrteta vor derStadt) und alkalische Säuerlinge standen inhöchstem Ruf, und der Name des Orts wurdeals Bezeichnung für Bäder überhaupt ge-braucht (die Stadt leitete ihren Namen vondem nahebei begrabenen Steuermann desOdysseus , Baios, ab). So war der Ort mitgrossen Anstalten für die Kranken undglänzenden Bauten für die Gesunden aufsreichste ausgestattet. Kaiserliche Palästeentstanden, in deren Pracht jeder Herrscherseine Vorgänger zu überbieten suchte; selbstAlexander Severus liess hier noch pracht-volle Paläste und mit Meerwasser gespeisteTeiche anlegen. Aber die Ueppigkeit undZügellosigkeit des Badelebens zu Bajä warsprichwörtlich ( Martial I, 68: »Eine Pene-lope kam, reiste als Helena ab«; PropertinsI, 11: »Nur sobald als Du kannst verlassdas entsittlichte Bajä«) und schon Cicerofürchtete schlimme Nachrede. — Durch diezwei grossen Verwüster der Westküste Ita-liens , die Saracenen und die Malaria, be-gannen die Ufer zu veröden, aber erst wäh-rend der Kriege Ludwigs XII, von Frank-reich wurde Bajä ganz verlassen. Noch be-sang es Sannazaro in seinem Arkadien, undPontanus nannte es Ruin der Alten undJungen. —- Einen Theil der antiken Stadt,nördl. vom Castel Baja, deckt jetzt das Meer.

Die erste grosse Ruine (bei allenwerden Trinkgelder gegeben, ca. 40 C.),die man, von Cumä kommend, nahe beimZusammentreffen der Strassen trifft (ineinem Weinberg), gehört einem impo-santen Thermenbau an; man nennt sieTempio di Diana, eine Rotunde, aussenachteckig, mit vier Halbkreisnischenund Spuren eines Aquädukts.

Etwa 100 Schritte südl. davon istder weit schönere sogen. *Tenipio diMercurio, vom Volk Truglio (Kuppel-rotunde) genannt, wahrscheinlich eingrosses Frigidarium, 44 m. im Durch-messer, ein Rundbau mit Lichtöffnungwie das Pantheon, vier Fenstern undvielen Nischen und Seitenkammern;seine Konstruktion ruft ein merkwür-diges Echo hervor, indem zwei der Wandzugewendete Personen an gegenüber-

Unter-Italien . I.

— Racoli.

liegenden Punkten ganz leise sprechendsich leicht verstehen. Man glaubt, dasBad habe zur Villa des Piso gehört,dessen Verschwörung den Tod Seneca’sund Lucans verschuldete.

Wendet man sich zum Ufer desMeers (zu dem kleinen Hafen), so siehtman den sogen. * Tempel der VennsGenitrix, ein backsteinernes rotunden-förmiges Achteck von 39 m. inneremUmfang, mit 8 Fenstern zwischen denoberen Ecken und 4 Nischen im unternGeschoss, die Bögen des Eingangs zeigennoch Bruchstücke ihrer ionischen Pi-laster, die gewölbte Decke ist zumTheil erhalten; auf der Rückseite desTempels sieht man noch Spuren vonSprossen zum Obergeschoss. Man hältdieseRuine für Reste eines kalten Bades;auch die Reste der Nebenzimmerchen,der Ofen und die Wasserkonserven um-her deuten auf ein Bad.

Die Strasse führt jenseit Bajä an-steigend am Kastell von Baja vorbei,das der Vicekönig Pietro di Toledo , umden Hafen gegen die Türken zu schützen,errichten liess. — 1 k St. jenseit Bajäkommt man zum Dorf

Bacoli .

Bacoli liegt an der Stelle der antikenVillenanlage Bauli, zu der auch eine Villades Ilortensius (jetzt unter Wasser) gehörte,der hier seine Muränen zog; bis hierherreichte die von Caligula von Pozzuoli ansüber den Golf geschlagene Brücke. — Tacitus (Ann. 14, 4) erzählt, wie Kero seine Mutterin die Villa zu Bauli führte und dort dasberüchtigte Schiff zu ihrer Ermordung bereithielt. Aber die Ruine 1. am Ufer, die denNamen Scpolcro d’Agrippina trägt, ist derRest eines Theaters. Agrippina erhielt durchdie Bemühung ihrer Diener einen unbedeu-tenden Todtenhügel beim ehemaligen Land-haus des Julius Cäsar , welches von derHöhe herab auf die zwei unten liegendenMeerbusen blickte. — Hier wohnte auch desAugustus Schwester Octcivia und beweinteden Tod ihres Sohnes Marcellus ; hier reei-tirte Virgil der Octavia die schönen Versedes 6. Buches der Aeneis . — Zu CäsarsVilla gehörten wohl hier oben die Unter-bauten (Sotteranei), vor denen ein gewalti-ges Vestibulum mit elf Pfeilern und Kreuz-bögen steht, die man jetzt Cento Camerelle(auch Carceri di Kerone) nennt; man steigtauf moderner Treppe in das sogen. Laby-rinth , eine Reihe sehr enger Korridore,hinab, die in eine Menge Räume mit Ver-schlagen abgetheilt sind.

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