Band 
Erster Band: Unter-Italien.
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8. Pompeji (Ausgrabung: Die Häuser).

gang öffnen sich die Zimmer der Fa-milie, Schlafzimmer und Speisezimmer,deren es in vornehmen Häusern fiirSommer und Winter besondere gab.Triclinien (Freilager) hiessen die Ess-salons von den drei niedrigen Ruhe-betten, die ein offenes Rechteck bildeten,dessen vierte Seite für die Bedienungfrei blieb. Jedes Ruhebett bot Raumfür drei Personen, welche auf Polsternliegend assen, den linken Arm auf dieKissen stützten, mit der Rechten dieSpeisen zum Mund führten. Die altenRömer speisten also höchstens zu neun.— An der Rückseite desPeristyls sind zu-weilen kleine offene Konversationsräume(Exedrae) und etwa noch ein Festsalon(Oecus), der in reichen Häusern daseigentliche Gesellschaftszimmer war,viersäulig, oder mit doppelter Reihevon Säulen (korinthisch), oder mit über-einander gestellter Säulenordnung, un-ten mit Umgang, oben mit gefenstertenWänden (ägyptisch), zuweilen mit kost-barer Marmorbekleidung. L. vom Oecustrifft man meist die Küche und (wie oftnoch jetzt in Italien ) in oder neben der-selben — ihr Gegentheil.

In manchen Häusern gelangt mannoch zu einer dritten Abtheihtng, demeigentlichen Garten (Viriclarium), dermeist auf drei Seiten von Pfeilern oderSäulen umgeben war* in vielen findetman auch eine Hauskapelle ( Sacrarium,Lararium) und einen hintern AusgangfPosticumJ auf die rückliegende Gasse.Grössere Häuser hatten auch noch ihreBadegemächer, Bibliothekkabinette fürdie Papyrusrollen und Gemäldezimmer.Kamine fand man nirgends, man be- ;diente sich dertragbarenKohlenbecken.

Die oberen Geschosse, welchedas Atrium und das Peristyl ganz odertheiweise umschlossen, waren weitleichter gebaut und enthielten meistdie Schlafzimmer für weibliche Haus-genossen und Sklaven, Wohn- undEsszimmer, nach aussen auch Miet-wohnungen. Wurde hinter oder nebendem Peristyl noch ein zweites Peristylangelegt, so kamen hinter das zweitedie Sklavenzimmer und die Wirtschafts-

räume. In den neulich ausgegrabenenQuartieren sind die Reste der Ober-bauten besser konservirt.

Die Läden, in den Plan des Hausesaufgenommen, waren meist Mietlokaleund haben dann keinen Eingang in diePrivatwohnung; ihre grosse Anzahlbeweist die stark entwickelte Gewerb-thätigkeit Pompeji’s; sie sind weit offen,doch eng und niedrig, haben gemauerteLadentische mit Steinplatten, oft mitEinsenkungen für dieGefässe, gemauerteGestelle an den Wänden, kleine Herde;den Eintritt zwischen Ladentiscli undMauerpfosten schloss eine Thür, Nachtskonnten sie mit Bretern verschlossenwerden. An den Seitenpfeilern warendie Aushängeschilder, welche in Reliefoder Malerei das Gewerbe andeuteten(Gott Bacchus: Weinhändler; Ziege :Milchverkäufer; Gladiatorenkampf:Fechterkneipe u. dgl.). Wo die Lädenmit den Häusern in direkter Verbindungstehen , verkauften wohl die Sklaven desHauseigenthümers die Ackerprodukte.

Die älteste Häuserform besteht nuraus einem Atrium mit 2 — 3 Kubikeln,das oben gänzlich bedeckt und aussenvon einem kleinen Stück Pflanzland um-geben war. Sie deutet darauf, dass dieälteren Einwohner einen Kern fleissigerAckerbauern bildeten, deren Vieh aufdem Gemeindeboden ausserhalb der Stadtweidete. Die Gruppenanhäufung derHäuser lässt auf Familienverbindungenschliessen. Dass bis jetzt nur ein ein-ziges Kultusgebäude der Griechen auf-gefunden wurde, bezeugt, dass die Helle-nen hier nur als Niedergelassene undnicht als Eroberer sich angesiedelt haben.Einen bedeutenden Fortschritt in derKultur bezeichnet die Ausbildung desHauses zum offenen Atrium und die Auf-nahme des Pflanzlandes in den Orga-nismus des Baues. In der samnitischenPeriode erhielt dann die Stadt schon theil-weise ihre spätere Physiognomie (S. 405).

Die Neubauten nach dem Erdbebenvon 63 n. Chr. bestehen fast alle ausGusswerk oder Ziegeln mit sehr feinemStucküberzug; diese Bauweise hob dieeigentlich konstruktiven Formen auf