Band 
Erster Band: Unter-Italien.
Seite
413-414
JPEG-Download
 

413

414

8. Pompeji (Ausgrabung: Die Häuser).

grössere nur in oberen Baikonen dergegen das Licht von Innen abgeschie-denen Mietwohnungen. Grosses Lebengaben der Strasse die vielen Läden,welche zu den Dependenzen auch vor-nehmer Häuser gehörten, aber in derMehrzahl vom Innern derselben unab-hängig sind und mit eigenen kleinerenWohnungen im Obergeschoss in Ver-bindung standen. Die Schönheit desHauses entfaltete sich nur nach Innen,wo der südliche Himmel die schönenIlöfe, die zugleich als Sale dienten,erfinden liess und ein »abgeschlossenesIl'eimwesen« mit stets frischem Luft-genuss sich verband. Ein Hof mitSeitenkammern und in der Rückliniemit Empfangszimmern bildet den eigent-lichen Grundplan.

Eine behagliche Wohnung hatte jen-seit des Eingangsflurs (Prothyron),neben welchem der Portier (Janitor)seine Cella hatte, ein Atrium als erstenHof, entweder mit einem nur von vierQuerbalken getragenen, nach innen über-hangenden Dach (Tuscanicum), oder mitvier Säulen ( Tetrastylum) in den Ecken,auch mit mehr f Corinthiczm). Um diesesAtrium, in welches das Licht von obenfiel, lagen Schlafzimmer, Vorrathskam-mern , Wirtschaftsräume. Die Hallediente als offener Empfangsaal für Klien-ten und Geschäfte; sie hat fast immerin der Mitte ein viereckiges, mit Marmorausgelegtes, vertieftes und eingefasstesBassin (Impluvium) für den Abzug desRegenwassers, das in Röhren in die Ci-sterne floss, aus der es dann aus nebenanliegenden schön verzierten Mündungen(Puttal) geschöpft wurde. Am Implu-vium steht sehr oft an der dem Innerndes Hauses zugewendeten Seite ein Mar-mortiscli mit Löwenfüssen. Die kleinenSchlafzimmer, die 1. und r. gegen dasAtrium sich öffnen, sind meist ohne Ver-bindung unter sich und erhaltenihr LichtvomHof oder hoch gelegenen, in den Hofschauenden Fensterehen. Sie dienten fürSklaven, die schöneren für Gäste. (Manerkennt sie meist durch die für das Bettbestimmte Nische.) Auffällig sind dabeiim Gegensatz zur modernen Welt die

enge Schlafstätte und die schmalen ge-mauerten Stellen für die Betten. Ingrösseren Häusern ist vorn ein Zimmerfür den Hofaufseher (Ostzar ins). Dannfolgen Vorrathszimmer und kleine Skla-venräume mit der Treppe ins Oberge-schoss. An den beiden Enden der Atrium-seiten sind zwei offene Flügelräume(Älae), den Audienzen für Befreun-dete gewidmet, daher sorgfältiger ge-schmückt, oft schön mosaicirt. Hierwurden in kleinen tempelartigen Schrän-ken die Büsten mit den Porträtmaskender Vorfahren aufgestellt und so geord-net, dass sie den Stammbaum der Fa-milie darstellten. Zuweilen sieht man inden Alae die Wände mit gemalten Por-trätmedaillons geschmückt. Im Grundedes Atriums, dem Eingang direkt gegen-über, ist der eigentliche Salon (Tabli-num), gegen den vordem Hof offen,nach hinten gewöhnlich durch eineBrüstunggeschlossen und mit Vorhängenverscliliessbar ; hier verwahrte man dieDiplome, Geschlechtsurkunden (daherTablinum) u. dgl. zur Schau; die bestenMalereien und Mosaiken schmücktendiesen Raum. Zur Seite des Tabli-nums führt dann ein Verbindungsgang(Fauccs) zum zweiten Hof. R. und 1.vom Tablinum befindet sicli etwa nocbein Konversationszimmer und ein Speise-zimmer (Triclinium), besonders für diekältere Jahreszeit, es ist dann gegenden zweiten Hof gewendet. Bei einigensind noch die steinernen Lecti (Grund-lage der Speisesopha’s) vorhanden. Derzweite Hof (Peristylium, Säulenliof) istdie eigentliche Privatwohnung und hateinen heiterem Charakter. Das Hauswuchs damit in die Länge, anstatt indie Höhe. Die Mauern eines römischenWohnhauses hatten früher gesetzlichnur *2 m. Dicke und waren daher nichtstark genug, mehrere Stockwerke zutragen.

Meist umschliesst in diesem zweitenHof ein hübscher korinthischer Säulen-gang einen kleinen Garten (Xzjstus) oderein von erhöhten Blumenbeeten um-rahmtes Wasserbecken (Piscina), oftmit Springbrunnen. Auf diesen Um-