Band 
Erster Band: Unter-Italien.
Seite
533-534
JPEG-Download
 

533

10. Monte Vereine (La Chiesa di S. G-uglielmo).

534

Monte Vcrgino erhebt; die schöne Stradadelle Paglie und eine zweite, welcheAvellino mit Salerno verbindet, durch-ziehen den Ort, der ein gutes Theater,ein Kollegium, ein Mustergefängnis undeinen Obelisk auf der Piazza hat. Aufdem alten Doganaplatz befinden sichaltrömische Büsten und Statuen (Tibe-riiis und Hadrian ), die zwei ansehn-lichen Palazzi Trevisano und die Prä-fektur. Schattige Spaziergänge umglirtendie Stadt. — Der Weg nach

(2Va St.) Monte Vergine (Esel5 Fr. mit Führer) führt zuerst zwischenKastanienwäldern und im Schatten einerziemlich üppigen »Verdura « nach demin reizender Thalschlucht gelegenen(IV 4 St.) Mercogliano. Dann steigt maneinen ziemlich steilen Bergpfäd hinan;oben sieht man über ein vielgestaltigesGebirgsland hin auf den Vesuv , einenTlioil Neapels und in das Avellinothalhinab. Das Kloster liegt in einer Schluchtzur Seite des höchsten Gebirgsgipfels.Die älteste Kirche wurde 1182 geweiht;der jetzige Bau, ursprünglich gothisch,zeigt nur noch wenige Reste (Hauptein-gang) des alten Stils, hat aber ein sehraltes Hypogäum, genannt La Clliesa (li

S. Guglielino.

Dieser heil. Wilhelm von Vercelli , Beicht-vater König Rogers, hatte nämlich, alle Vor-theile vornehmer Geburt und des Reich-thums aufgebend, hier 1119 an der Stätte,wo im Altertlium ein Ileiligthuni der Mutterder Götter (Kybcle) stand, ein Kloster derMutter Gottes gebaut, das bald zur Pflanz-stätte der Virgianer, einer Kongregationdes Benediktinerordens, wurde.

Das Innere der Kirche verräth nochin der Höhe und Enge des Mittelschiffsden alten Plan, wurde aber 1G29 neuuingebaut und mitten in der schlichtenGebirgswelt mit kostbarer Pracht ge-schmückt; im rechten Kreuzschiff einantiker Sarkophag (Minius Proculus),den Manfred vor der Schlacht von Benc-vent für sich selbst bestimmt habensoll, sowie er auch die Kapelle 1. vomAltar als seine Grabkapelle bezeichnete;auf dem Deckel die mittelalterlichennaturwahren Figuren eines Ehepaars. —In der Sahramentshapclle ein interessan-tes Tabernakel, das Karl Marteil, Sohn

König Karls II., 1290 schenkte (vierachteckige Marmorsäulen ruhen auf demRücken von vier greifenartigen Löwen,an den Architravecken kleine zierlicheFrauengestalten); in derselben Kapelleein Grabmal aus dem 13.undzweiausdem14. Jalirh. Das Bild der Vergine di Co-stantinopoli (der dunklen Farbe wegenMamma Schiavona genannt), welcher dieKirche geweiht ist, wurde von Katha-rina von Valois, Titularkaiserin vonKonstantinopel , 1310 dem Kloster ge-schenkt.

Die Blosslegung der Figur (behufs einerKopie) ergab, dass das ganze Bild von EinerHand ist und dass der Stil auf einen Maleraus den ersten Jahren des 34. Jalirli. hin-weist; der Kopf mit dem Nimbus bildet einbesonderes Stück Holz und springt aus derFläche hervor, das vortretende Stück istaber von demselben Holz wie das Uebrige.Urheber des Bildes ist daher wohl der MalerMontano d' Arezzo , der für König Robert,welcher ihn 1310 zum Ritter schlug, zuMonte Vergine malte. Die Madonna nimmt,eine Mittelstellung zwischen florentinisclierund sienesisclier Malweise ein, »die giottes-ken Züge sind mit solchen vermengt, welchenoch bei Cimabue Vorkommen«.

In der Kapelle neben dem nördlichenSeitenschiff ist ein grosser Reichthumvon Reliquien gesammelt; die ehema-ligen silbernen Büsten dieser Heiligensind jetzt aber durch versilberte kupferneersetzt.

Einst waren hier auch die Gebeine desS. Genuaro, die König Ferdinand T. 1407nach Neapel in den Dom bringen Hess. —Katharina von Valois und ihre zwei Söhnewurden hier beigesetzt; aber ihre Gräberverfielen; später setzten ihnen die Möncheeinen Gedenkstein in der Cappella dellaVergine.

Im Kreuzgang ist ein kleiues Museumvon römischen (vom Tempel stammenden)und mittelalterlichen Alterthümern, darunterein Kapital von 851, angeblich einer derGrenzsteine des vom Fürsten Radelchis vonBencvcnt an den von Kaiser Ludwig II.unterstützten Sieonulf abgetretenen Ge-biets (die Reliefs zeigen zwei kämpfendelongobardische Reiter und zwei aus einemGet'äss fressende Greifen).

Monte Vergine ist ein berühmter Wall-fahrtsort; Hauptfeste zu Pfingsten undam7.Sept. (Grosse Varietät in Kostümenund Dialekten.)

X>qv Gipfel des Bergs (1320 m. ü.M.)gewährt einen * Prachtblick über das18*