Band 
Zweiter Band: Sicilien.
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253-254
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253 2. Palermo (Umgebung : Monreale). 254

offener Hof mit Resten der Stalaktitendeckc;auch im Obergeschoss ein Zimmer mit ähn-lichen Resten. — Sonst ist alle Pracht dieseswohl für Gartenfeste bestimmten Lust-schlosses sammt der Gartenherrlichkeit ver-schwunden , doch deutet der hydraulischeKalk der umliegenden Grundfläche undReste von Dämmen noch auf den künst-lichen Fischteich. Noch Boccaccio verlegtein . den reizenden Park die Novelle (Deca-meron V , 6) von Gian di Proeida und ReFederigo. Nur ein Pavillon dieses Parks(s. unten), die sogen. Cubola, hat sich nocherhalten (liegt aber fast 10 Min. ab).

Von der Cuba dem Corso Calatafimiweiter entlang, kommt man nach 4 Min.zum (1.) Qiardino di Acclimazione (demDiener 1 /2 Fr.), in einer alten Villa desValverde -Karmeliterklosters.

Er wurde durch eine erst 1861 vomBaron Francesco Anca gestiftete Gesell-schaft gegründet, mit dem Zweck, fürAckerbau und Nahrung zweckdienlicheThiero zu akklimatisiren und zu zähmen,die fremden, schon in Sicilien vorhandenenRassen zu vervielfältigen, die einheimischenThiere zu veredeln, neue Nutz- oder Zier-pflanzen einzuführen, die' landwirtschaft-liche Industrie auf jede Weise zu fördern.

Dem Corso geradeaus weiter folgend,kommt man nach 4 Min. zur (r.) Seiten-strasse ViaCavulacci. In dieser Seitenstrasseist bei der dritten Thür r. der Eingang(klopfen!) zur sogen. Cubola 9 d. h. demnormannischen Pavillon (»padiglione a volta«genannt), der zu den Gärten der Cuba ge-hörte. (Der Besuch bedarf eines Permesso[gratis] des Eigenthümers Cavaliere Napoli,den man auf Vorweisung der Visitenkartein seinem Palast an den Quattro Cantonierhält, dem Gäi'tner V? Fr.) Der Pavillonsteht mitten in einem Orangen- und Citro-nenhain; er ist offen, vierseitig, nur 9 m.hoch, mit hohem Spitzbogen auf jeder Seite,von schönen Proportionen, oben mit einergraziösen Kuppel bedeckt (ähnlich derjenigenvon S. Giovanni degli Eremiti). Das Ma-terial ist Haustein. Die Bögen sind vonOrnamenten umgürtet, die denen der altenDomfenster gleichen. Die Fontäne in derMitte ist ausgetrocknet.

Ziun Corso Calatafimi zurück undweiter demselben folgend, gelangt mannach 3 Min. zur (1, Nr. 420; schellen!)* Villa Tasca (dem Pförtner 40 C.), be-rühmt durch ihre prächtigen und seltenenPflanzen und den feinen Geschmack, mitwelchem der Graf Lucio Tasca den Gartenanlegte. — Von Villa Tasca führt dieneue einförmige, durch Mauern von denanliegenden Gärten geschiedene Land-strasse an (Nr. 557) Villa Bernardo Lo-vico, (Nr. 559) Villa Guli, (Nr. 727) Villa

Pomara vorbei, nach 25 Min. zum Dörf-chen Villa itocca (r. Osteria [liistoratore]mit gutem Wein, zu 8 Soldi, an der ViaConigliera). Hier beginnt die Ansteigungnach Monreale. Der Fussgünger gehthier r. der alten Strasse entlang, die, et-was höher gelegen, anfangs parallel mitder grossen Landstrassc läuft; das baldetwas steiniger und enger werdendeSträsschen mündet in ziemlich direkterRichtung bei dem grossen Waisenhaus indie Hauptstrasse (unmittelbar vor Mon-reale) wieder ein. Gegenwärtig begegnetman auf dieser Strecke noch beaufsich-tigenden Bersaglieriposten. Doch ist dieSicherheit auch hier wieder zurückge-kehrt. — Auf diesem Weg nach Monrealehinauf geniesst man die schönstmöglicheAnsicht der Ueberfülle der Vegetation,welche die Umgegend Palermo’» zur*€onca (Voro erhoben hat, und derBlick schweift über alle diese in zaube-rischem Farben,spiel prangende, üppigePracht hin weit ins Meer hinaus und zuden zwei herrlichen, schönlinigen Vor-gebirgen, welche den die Muschel um-ringenden Gebirgskamm schliessen.

Kolossale Agaven (A. americ.ana) hegenmit ihren breiten überfallenden Blättern alsZäune die Besitzungen ein, und ihre gelbenBlütenbüschel ragen auf 9 — 12 cm. dickenStengeln gegen 6 — 9 m. auf. Eine zahlloseSchar mit ihrem glänzenden Grün blenden-der, ovaler, stacheliger Opuntienplatten (Cac-tus opuntia L.), im Herbst mit grellfarbigenFrüchten, im Mai mit sattgelben oder pur-purrothen Blüten, überdeckt selbst das nackteGestein und zieht in der Ebene lange Zeilen.Zu der reichsten Fülle von Karuben, Oliven,Orangen- und Limonenhainen treten nochhier und da Dattelpalmen in der Kraft ihresStammlandes auf. Selbst Pisang und Zucker-rohr gedeihen hier; Mandeln, Melonen, Fei-gen, Pfefferbäume, Oleanderbüsche undsogen. Erdbeerbäume, Mispeln (Nespoli)geben der Landschaft ein eigentümlichesLeben, und die Nutzpflanzen Sumach (Gerbe-kraut), Süssholzstrauch und Weizen deutenauf den specifisch sicilisclien Handel. —Uebcr der Landstrasse, die durch starkeStreben gestützt ist, steigen die rauhen, mitOpuntien übersäeten Felsstürze des MonteCaputo auf.

Diesseit der Stadt Monreale trifftman zuerst r. das Armenhaus , dann ziehteine langgestreckte Strasse die Schulterdos Monte Caputo hinauf, deren Häusernman keineswegs ansieht, dass Monreale