Band 
Zweiter Band: Sicilien.
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1 . Palermo (Umgebung: (iiardino luglese mul Favorita).

Lampen, unter dem Altar hervorschimmern,kniete ganz nahe davor hin und blicktedurch die Oeffnungen. Es war inwendignoch ein Gitterwerk von feinem geflochtenenMessingdraht vorgezogen, so dass man nurwie durch einen Flor den Gegenstand da-hinter unterscheiden konnte. Ein schönesFrauenzimmer erblickte ich bei dem Scheineiniger stillen Lampen. Sie lag wie in einerArt von Entzückung, die Augen halb ge-schlossen, den Kopf nachlässig auf die rechteHand gelegt. Ich konnte das Bild nichtgenug betrachten; es schien mir ganz be-sondere Heize zu haben. Ihr Gewand istaus einem vergoldeten Blech getrieben,welches einem reich von Gold gewirktenStoff gar gut nachgemacht (GeschenkKarls III., bei seiner Krönung, 1735). Kopfund Hände , von weissem Marmor, sind, ichdarf nicht sagen, in einem hohen Stil, aberdoch so natürlich und gefällig gearbeitet,dass man glaubt, sio müsste Athem holenund sich bewegen. Ein kleiner Engel stehtneben ihr und scheint ihr mit einem Lilien-stengel Kühlung zuzuwehen. Genug, ichkonnte mich nur mit Schwierigkeit vondiesem Ort losreissen.« (Goethe.)

An den hinter dem Kloster liegen-den Bauernhäusern (hier eine primitiveOsterie mit Wein, Käse, Brod, meistauch Eiern) vorbei fuhrt ein ziemlichrauher Weg, doch in fast ebener Richtung,in */4 St. geradeaus zu einem Portious mitder Kolossalstatue 8. Rosalia’s, von Ko-solino Barbera skulpirt. Vom Porticusgeniesst man eine der ausgedehntestenAussichten auf das Meer und die Küsten.— Hinter dem Kloster führt ein mühsa-mer (nur mit Hülfe des Osterielialters zufindender) Fusssteigzum Telegraphen em-por; die *Aussieht von diesem höchstenPunkt des wie ein »riesiger Wartthurm«ins Meer vorragenden westlichen Ausläu-fers des G-ebirgshalbkreises von Palermoist unvergleichlich. Hier überschaut manauch den ganzen Kranz dieser Höhen. R.der Vorberg Gallo, weit ins Meer hineintretend, dann der Billiemi mit seinenMarmorbrüchen, der schroffe Cuccio, derCaputo, an welchem Monreale thront, derMoarta mit Parco; im S. Palermo’« der !Falcone und der Grifonc und als Schluss

worden: erstmals, im erden Panischen Krietj,als Hannf/rar, genöthigt, denKloinkricg gegendie Römer zu führen, Besitz vom MontePellcgrino (damals Erkte genannt) nahm, dadieser durch seine steilen Abhänge einenatürliche Festung bildete und auf seinerflachen Höhe einigen Anbau erlaubte, zu-gleich aber durch die unmittelbare Nähedes Meers die Verbindung mit der Flotteermöglichte. Während die Römer vor denzwei karthagischen Festungen Drepana(Trapani) und Lilybäum (Marsala) lagen,bedrängte Hamilkar in ähnlicher WeisePanormus (Palermo), damals die wichtigstePosition der Römer in Sicilien, von woaus die Verstärkung und Verproviantirungder römischen Heere erfolgte und die Ver-bindung mit Italien zur See stattfand. BreiJahre lang hielt Hamilkar vom Monte Pelle-grino aus die Römer in Schach und machtevon seiner unbezwinglichen Felsenburgherab seine Angriffe zu Wasser und zuLand. Es war das Vorspiel zu den Kämpfenseines Sohns Kannibal. Erst im Jaln* 244verliess er unbesiegt den Monte Pellegrinound zog auf den Eryx.

Noch grössere Berühmtheit gab dem Bergdie palennitanisclie Heilige Rosalia, NichteKönig Rogers, 1130 geboren; schon iin 12.Jahr die Lüste der Welt fliehend, brachtesie mehrere Jahre in einer Höhle der Quis-quinaberge bei Castro nuovo ixx Gebet undBusse zu. Ein Engel entrückte sie auf denMonte Pellegrino, wo sie in der Grotte biszu ihrem Tod 1166 lebte (noch zeigt man 1.über ihrem Altar den Ort, wo sie betete undschlief). Im Pestjahr 1624, als die von einerSpitalkranken um Heilung angeflehte Ro-salia diese sogleich kurirte, aber eine Wall-fahrt zu ihrer Todtenstätte auf dem MontePellegrino verlangte, erschien dieser hochauf dem Berg die Retterin und wies ihr dieStelle an, wo ihre Gebeine ruhen. Die aufge-fundenen Reliquien wurden dem Erzbischofzugeschickt, und die Pest wurde milder,wüthete aber aufs neue, als sich Zweifelüber die Echtheit der Reliquien erhoben.Da erschien dem Vincenzio Belli, der seineGattin durch die Pest verloren und kummer-voll sich auf die Jagd begab, die Heiligeauf dem Berg, führte ihn zu ihrer Grotteund theilte dem Bekümmerten mit, die Pestwerde aufhören, wenn der Zweifel überihre Reliquien aufhöre und diese in feierlicherProcession durch die Stadt getragen würden.Das geschah, und die Pest verschwand.Seitdem ist S. Rosalia die bedeutendsteSchutzheilige Palermo’s und ihr Fest (S. 141)am zweiten Pfingsttag ein Volksfest.

der üppigen Ebene der Monte di Baghe- jria und der Catalfano. — Vom 20. April ibis 20. Mai reicher Wachtelfang auf demMonte Pellegrino.

Zur Geschichte des Monte Pellegrino.Der Berg ist durch zwei sehr verschiedeneBegegnisse und Zeiten weithin berühmt ge-

10. Der *Giardino Inglese (J 4)unddie*Favorita (6Kil.). Am Nordendeder Via Macqueda liegt 1. das in vollemBau begriffene Teatro Massimo (E 4),ein geniales Werk des Prof. Basilc, ander Stelle der abgetragenen Klöster delle