(». Von Palermo nach Castelvetrano und Selinunfc.
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den grossartigsteii Gruppen zusamincngc-häuft sind, gewähren unter dem wuchern-den Pflanzenwuehs einen überaus male-riselien, aber ebenso melancholischen An-blick. Don wenigen aufrechten Schäftengab das Volk den Namen »Gigantenpfei-ler« (Pilieri deigiganti). Ringsum siehtman baumlose Fläche, Sand, Disteln,Zwergpalmen, Ginster; nur einige ärm-liche Hütten; im Sommer ist hier dieMalaria.
Die selinuntischen Tempel.
Sie sind sämmtlich in der griechischenBlütezeit der Stadt, zwischen 628—400v. 'Clir., erbaut worden: C und D auf demWesthügel nahe dem Gründungsjahr derStadt 628. — F und O (letzterer in seinerersten Bauzeit) im 6. Jahrli. — A und Ksowie (x in der zweiten Bauzeit gegen dieMitte des 5. Jahrli. — Die sechs grossenTempel sind sämmtlich dorischen Stils (dasTcnipelclien B, nach Ilittorf eine dem Ern-pedokles geweihte Kapelle, hatte ionischeKapitale und Gebälk mit Triglyplieu). —Die riesigen, wuclitigenTrümmerhaufen wur-den erst in diesem Jahrhundert einer wis-senschaftlich rekonstruirenden Untersuchungunterworfen, denn Ausgrabungen so kolos-saler Massen konnten nur durch Maschinenvorgenommen werden. Angell imdllarris, zweienglische Baumeister, haben sich zuerst umdiese Ausgrabungen verdient gemacht. Sieüberwinterten im Jahr 1822 in Selinunt, undHarris, der Zeichner, blieb noch im Sommer1828 hier, unterlag aber dem Malarialieberim 28. Jahr. — Sie zogen mehrere fiir dieEixtwickolungsgcschichtc der griechischenKunst höchst wichtige Metoponreliefs her-vor (Palermo, S. 221). Im Jahr 1824 über-winterte Hittorf mit seinem Schüler Zantliund dem Architekten Stier in Selinunt undbeschäftigte sich mit den architektonischenAufgaben. Br entdeckte jene Kapelle Bund erwies an ihren Fragmenten (S. 850)die satte, vielfarbige Bemalung der Bau-glieder der griechischen Tempel. SeineMassangaben sind die exaktesten. Einegründliche Fortsetzung der Ausgx’abungenHessen 1881 der l)uca di Serradifalco undder Principe della Trahhia durch den Archi-tekten Suverio Cavallari und den BildhauerVillareale vornehmen. Cavallari’s sorgfäl-tigen Aufnahmen ist das berühmte Werkvon Serradifalco zu verdanken (Anticliita diSicilia, Palermo, Vol. II, 1844). JI/Mor/licssseine Aufnahmen 1827 publiciren, und seinSohn gab den Text dazu (Paris 1870) heraus ;Benndorf edirte die Metopen von Selinunt(Berlin 1878) und behandelte in seinem Textauch die Geschichte der Topographie unddie Tempel. — Seit 1864 hat das neue König-reich Italien für die Ausgrabungen in Sici-lien eine jährliche Summe bestimmt und ('Ja-callari an die Spitze der Arbeiten gestellt.
Der dorische Stil bedingt Säulenhallen,die den oblongen Flächonraum um die Cellades Gotteshauses cinfasscn und Gebälk undDach tragen, aber die ältesten dorischenTempel haben noch sehr lange Gellen, da-mit dem Vorgemach (Pronaös) mit dem Rciui-gungsbeeken, den Tischen und Wcihgeschen-kon, dann dem Schatzraum (Thesauros), derlaut der Rede des Nikias (Thukyd. VI, 20)in den Tempeln zu Selinus sich befand,und der Statue des Gottes nebst dem Speise-opfex-altar im Adyton der gehöi-ige Raumzukäme. Diese Tempel mussten liypathral(im mittleru Tlieil des Daches offen) sein,damit nicht nur die Werthsachen, sondernauch die Statue des Gottes die nöthige Helleerhalte, denn das Allerheiligsto war beiden heiterklaren Griechen nicht in Dunkelgehüllt. Die kostbaren Weihgesehenkewurden in den durch Thüren verschlosse-nen Inneni'äumen und im ITouaos sowiePosticum, deren Säulenzwischenräume ver-gittert waren, aufgestellt. Die ältestenTempel hatten jedoch keine Anten undSäulen zwischen denselben, sondern ihrVorgemach ist vielmehr nach vorn durchMauern und eine Thür abgeschlossen. Umdie Form der lang gestreckteix schmalen Cellaharmonisch mit der Gesammttempelfoi-m aus-zugleichen, wurde der Säuleuumgaug sein-weit abstehend von den Gellamauern er-richtet, so dass der Säulenhoden ein Recht-eck von gaxxz anderen Verhältnissen bildet(gewöhnlich 1:2,50) als die Cella. Die äl-teren Tempel haben Säulen von 16 Kanne-lüron, alle jüngeren von 20 ; in ihrer ganzenBauweise zeigen jene das »Auf- und Ab-wogen« von Gegensätzen, aus deren Ucbcr-windung erst die Schönheit des Masses re-sultirte; den ältei*en Formen fehlte noch dieI streng systematische Dux-chfiihrung und derfreie Schwung der vollendeten Kunst. Aufmanche Verhältnisse, wie z. B. die Weiteder Säulenstelluug, mag auch der sclinuu-tische Kalkstein Einfluss gehabt habeix, derin grösseren Massen brach, als gewöhnlich.Eine tiefex-e Einsicht in die Eutwickelungs-gesehichte der dorischen Foi‘mcn gewährtbesonders die Foi-m des Kapitals, wie sieaus der gedrückten, breit und bauchig aus-ladenden Gestalt zuletzt zur »hoch und schönausgespannten« sich befreit.
Die Tempel auf dem Osthügel
stehen an der Ecke der ausgedehntenHochebene, die mit Wein, Oliven undKorn bepflanzt ist; sic liegen weiter vomMeer ab, als die auf der Westliche, undfolgen einander parallel von S. nach N.,alle drei mit der Front nach O. Der süd-lichste dieser drei Tempel ist
Tempel E (lleraion), ein der letz-ten Entwickelung des alten dorischenStils angehörender, der vollendeten helle-nischen Baukunst schon sehr nahe stehen-