Band 
Zweiter Band: Sicilien.
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(i. Selinnnt.

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Als die Naclit einbrach, hörten die Kartha-ger auf zu stürmen. Noch in derselbenNacht schickten die Selinuntier die bestenHeiter nach Akragas, Gela und Syrakus mnschleunige Hülfe zu bitten, da die Stadtnicht länger der Gewalt der Feinde wider-stehen könne. Akragas und Gela warenbereit und warteten nur auf die Syrakusa-ner, um mit vereinter Macht gegen dasgrosse Heer der Karthager anzurücken.Aber die Syrakusaner Hessen unter grossenZurüstungen die Zeit hingehen. Die Botenkonnten in zwei Tagen nach Syrakus ge-langen, die Syrakusaner in fünf Tagennach Selinus, und die Belagerung dauerteneun Tage! Hannibal griff mit Anbruchdes Tags von allen Seiten an; den einge-stürzten Theil der Mauer und die nächstenStücke riss er mit dem Sturmzeug vollendsnieder. Dann führte er die besten Truppenabwechselnd ins Gefecht und trieb die Se-linuntier allmählich zurück; doch war ernicht im Stande, die Verzweifelten rasch zuüberwältigen. Neun Tage wurde das Stür-men mit unbeschreiblicher Wuth fortgesetzt.Am neunten Tag stiegen die Iberer überdie eingefallene Mauer; unter lautem Ge-schrei der Weiber, die auf den Dächernstanden, stellten sich die Selinuntier in dich-ten Scharen an die Eingänge der engenGassen, verrammelten die Strassen und lei-steten noch lange Widerstand. Als aberdie Karthager durchdrangen, eilten Weiberund Kinder haufenweise auf die Dächerund warfen Steine und Ziegel auf die Feinde.Bis zum Abend setzten die hart mitgenom-menen Karthager den Kampf fort, wo dannden Selinuntiern die Geschosse ausgingen,die Karthager aber die erschöpften Truppendurch frische Streiter ablösen Hessen. End-lich wurden, da die Mannschaft der Ver-tlieidiger zusammenschmolz und immer mehrFeinde in die Stadt einfielen, die Selinun-tier aus den engen Gassen verdrängt; mitbanger Erwartung sahen sie dem traurigenSchicksal, das ihnen drohte, entgegen; dieFeinde, im stolzen Vertrauen auf ihr Glück,ermunterten einander zum Morden. End-lich zogen sich die Verthcidiger vor denallseitigen Angriffen bis auf den Markt zu-rück , um hier den letzten Kampf zu führen,liier erst wurden die Karthager dos Wider-stands Herr. Die Vertheidiger fanden käm-pfend den Tod. Die Feinde zerstreutensich nun über die ganze Stadt hin undplünderten die reichen Vorräthe in denHäusern. Die in den Häusern aufgefunde-nen Unglücklichen wurden mit denselbenverbrannt oder auf die Strasse geschlepptund ohne Unterschied des Geschlechts undAlters Säuglinge, Kinder, Weiber, Greisegemordet. Karthagische Soldaten sah manmit einer ganzen ltcihe von Händen behän-gen, andere trugen auf den Lanzen ge-spiesste Köpfe herum. Nur die Weiber undKinder, die sich in die Tempel geflüchtethatten, fanden Gnade, aber nicht aus Mit-leid, sondern aus Furcht, sie möchten dieTempel verbrennen und so den Plünderern

die kostbaren Weihgeschenke entziehen.Bis in die Nacht wurde in der Stadt fort-geplündert, die Häuser verbrannt oder nie-dergerissen ; 16,000 Menschen lagen todt aufden Strassen, mehr als 5000 Gefangenewurden gemacht (Selinus mochte damalsetwa 60,000 Einw. zählen). Nur 2600 Seli-nuntier konnten sich nach Akragas retten.Erst jetzt langten in Akragas 5000 Mannauserlesene Truppen aus Syrakus an, diein Eile vorausgescliickt waren, um Hülfezu bringen. Da sie die Eroberung derStadt vernahmen, Hessen sie den Hannibaldurch Abgeordnete auffordern, die Gefan-genen gegen Lösegeld freizugeben und dieTempel der Götter stehen zu lassen. Ilan-nibal antwortete: die Selinuntier mögen es,da sie die Freiheit nicht haben behauptenkönnen, nun mit der Sklaverei versuchen,die Götter aber wandern von Selinus aus,weil sie von den Einwohnern erzürnt seien.

Durch Empedion erlangten die Selinun-tier, dass Hannibal den Entflohenen erlaubte,sich in der Stadt wieder anzusiedeln, wennsie den Karthagern zinsbar sein wollten.Die Maliern von Selinus wurden geschleift.Ilermokrates von Syrakus, aus dieser Stadtverbannt, sammelte die Flüchtlinge, setztesich in Selinus fest und brachte hier einHeer von 6000 Mann auserlesener Truppenzusammen und machte glückliche Streifzügegegen Städte unter karthagischer Herrschaft.Er stellte die Mauern eines kleinen Stadt-theils wieder her und brachte Selinus wie-der zu einiger Bedeutung, aber der alteGlanz war für immer verschwunden; es»vogetirte« unter karthagischer Leitung alssehr herabgekomraene Mittelstadt noch fünfMenschenalter hindurch fort und wurdedann im Punischen Krieg 249 v. Chr. zumzweitenmal von den Karthagern zerstörtund die Einwohner nach Lilybäum ver-pflanzt (Diod. XIV, 1). Die Tempel schei-nen jedoch noch ziemlich lange dem Kultusgedient zu haben und stürzten wohl erstim Mittelalter durch Erdbeben ein. — Ob-gleich die Stadt zur Zeit Strabons »ohneEinwohner« war, muss sie doch später wie-der bewohnt worden sein, da sie die Sara-cenen im Jahr 827 zum drittenmal vernich-teten und im Jahr 1072 sich hier gegen dennormannischen Graf Roger vertheidigten.(Der arabische Name für Selinus war»Götzendorf«, Rahl el Asnam.)

Man betritt zuerst den Osthügcl mitden Tempeln E, F, G; dann folgt mandem Pfad, der vom Osthügcl durch dasflache Thal hinüberleitet, und kommt, den(mit einem Thurm bekrönten) Westhügelliinansclireitend, zuerst zum südl. gele-genen Tempel A auf der Akropolis. DieTrümmerfelder, in denen noch in kolos-salen Massen kannelirte Säulen, dorischeKapitale von gewaltigstem Umfang, Tri-glyphen, Metopen und Gesimsstücke zu