Band 
Zweiter Band: Sicilien.
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385-386
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10. Girgenti (Geschichtliches).

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der Insel zu wagen. Sie dachten, die Kar-thager würden dem Krieg gegen Agathokleskaum mehr gewachsen sein, und die Syra-kusaner, durch Mangel an Lebensmittelnbedrängt, würden nicht mit ihnen um denVorrang wetteifern können. Zudem rechne-ten sie auf den Beistand der zu befreiendenStädte. Sie wählten Xenodikos zum Anfüh-rer. Er rückte sogleich gegen Gela, wurdedurch einen Gastfreund hei Nacht einge-lassen und bemächtigte sich der Stadt, dergrossen Kriegsmacht und Geldmittel. DieGeloer unterstützten nun Akragas eifrigund befreiten die Städte; auch Enna ergabsich; dann bekämpfte Xenodikos die Leon-tiner und Kamarinäer, eroberte Eclietla undbefreite viele Gebiete und Städte. Aber inzwei Schlachten geschlagen, verlor Akragasden Halt, und schon nach zwei Jahrenmusste es seine grossen Pläne aufgeben,»gleich fern von jeder Begünstigung derTyrannei wie der Barbarei«, Ordnung undFrieden in Sicilien herzustellen. Kurz nach-her fiel Akragas unter die Tyrannei desPhintias (286—280), der sich ein ausgedehn-tes Reich in Westsicilien gründete, zu einerZeit, da Syrakus unter Hikctas (S. 710)stand, die Karthager und die Mamertinerihm widerstanden, lliketas unterlag denKarthagern. An die Stelle des zerstörtenGela setzte Phintias, da, wo jetzt Licatasteht, die neue Stadt Phintias bis zum jetzi-gen Fort S. Angelo hinan. Die Einwohnerbehielten jedoch den Namen Geloer (wieMünzen bezeugen). Phintias, zuerst eingrausamer Fürst, herrschte allmählich mil-der; seine angebliche Tödtung durch einenEber ist eine durch sehie Münzen mit Eberentstandene Sage.

Im ersten Panischen Krieg trat Akragasauf die Seite der Karthager und nahm Be-satzungstruppen derselben in die, Stadt auf.Die Homer wandten sich im Jahr 2 (: 2 v. Chr.unter den Konsuln L. Postumias Illegellus undA . M'amillius Vilnius mit ihrer ganzen Machtihrer 100,000 (verstärkt durch sämmtlicliesicillsclie Bundesgenossen) gegen Akragas(nach dem agrigentinisclicn Geschichtschrei-ber Pliilinus). Sie errichteten vor der Stadtzwei befestigte Lager im O. und W. undverbanden diese durch doppelte Gräben und"Wälle, um sich gegen die Ausfälle undgegen ein Entsatzheer zu sichern. Und nunwarteten sie auf die Wirkung der Ilungers-noth. Sie selbst erhielten durch Ilierovon Syraktts reichlichen Proviant, der inder nahen Stadt Herbessos aufgehäuft wurde.Aber nach fünfmonatlicher Belagerungkam unter Hanno von Ileraclea aus einkarthagisches Entsatzheer, nahm die Vor-rätlie und machte die Belagerer selbst zuBelagerten, die trotz Hiero’s Sendungen inNoth geriethen. Schon besprachen die Kon-suln die Aufhebung der Belagerung, alsFeuersignale aus Akragas dem Hanno diehöchste Noth der Stadt verkündigten under nun den Römern die Schlacht anbot.Die Römer, mit dem Muth der Verzweif-lung, errangen einen glänzenden Sieg, und

Unter-Italien. II,

selbst die Elefanten der Karthager fielenin ihre Hände. In der Nacht verliess Han-nibal das unhaltbare Akragas, und es gelangihm, seinen Heerestheil unangefochten überdie Befestigungslinien der Römer zu retten.25,000 Einwohner wurden als Sklaven ver-kauft (Diodor XXIII, ecl. 0), und Akragaswar zum zweitenmal vernichtet. Dennochsammelten sich in dieser schutzbietendenNaturveste rasch wieder neue Bewohner,und in demselben Krieg wurde sie noch-mals eine Schutzmauer in den erbittertenKämpfen Karthago’s gegen Rom und erstsieben Jahre später durch den KarthagerKarthalon wieder genommen, welcher dieStadt im Sturm überfiel und die Mauernschleifte. Beim Frieden fiel sie jedoch wie-der den Römern zu.

Im zioeiten Panischen Krieg wurde siedurch Himilkon genommen und nun vonden Karthagern gehalten, bis sie 210 v. Clir.,zwei Jahre nach dem Fall von Syrakus,durch Verrath der Numidier in die Gewaltder Römer fiel (Livins XXVI, 10); denn derFeldherr der Numidier, Mutines, von Hannowegen seines ihn verdunkelnden Ruhmszurückgesetzt, übergab die Stadt heimlichdem römischen Konsul J^aevinus. Die Nu-midier bemächtigten sich des Hafenthors(Porta aurea), vertrieben die Wachen undHessen die Römer in die Stadt. Hanno ent-kam durch das Gclathor, fand zum Glückein kleines Fahrzeug und überliess Sici-licn, um dessen Besitz so viele Jahre ge-gestritten worden, den Feinden. NachdemLaevinus die Stadt wieder eingenommen,die übrige Menge der Punier tuid Sicilieran den Thoren erschlagen, die Häupter vonAkragas mit dem Beil hingerichtet worden,Hess der Konsul die übrigen Einwohner unddie Beute verkaufen und schickte allesGeld nach Rom. Als die Nachricht von demFall von Akragas sich in Sicilien verbrei-tete, neigte sich plötzlich alles vor Koni, lnkurzem wurden 20 Städte verrathen, 6 mitSturm genommen, gegen 40 ergaben sichfreiwillig. — Akragas horte nun auf, als grie-chische Stadt zu existiren, und sein Namewurde in Agrigentum romanisirt, das nochzu einer gewissen Nachblütc gelangte, dennim Jahr 179 v. Chr. wurde die Bevölkerungvermehrt und schied sich in Alt- und Neu-bürger. Cicero (Verr. IV, 43) entwirft nochein lebendiges Bild von dem Festhalten derBürger an ihren schönen Tempelstatuengegen den räuberischen Prätor Verres.»Hast Du nicht die schöne Bildsäule desApollo, auf deren Hüfte in kleinen silbernenBuchstaben der Name Myrons stand, zu Agri-gent aus der heiligen Kapelle des Aescnlapgeraubt? Als er dies, ihr Richter, heimlichbewerkstelligt und zu diesem frechen Dieb-stahl einige schlechte Leute als Helfershel-fer gebraucht, da gcrieth ganz Agrigent inAufruhr, denn es vermisste die von Scipiozurückerstattete Bildsäule, den Gegenstanddes heimatlichen Kultus, die Zierde derStadt, das Erinnerungszeichen des Siegs,das Zeugnis der römischen Bundesgenossen-13