Band 
Zweiter Band: Sicilien.
Seite
419-420
JPEG-Download
 

410

10. G-irgeuti (S. Maria de’ Greci — Küpe Atenea).

420

linken Querscliiff kleines Bild Uber demAltar, Madonna von Guido lleni (schlecktrestaurirt). Vorn im Querscliiff, 1. in derkleinen Nebenkapelle, an der Rückwand:*Grabmal des Cavaliere Marino, 1402;gegenüber ein Elfenbeintabernakel, voneinem italienischen Hirten verfertigt.

Der Sakristan ermangelt nicht, auf dasberühmte Porta Voce aufmerksam zu machenund merkwürdige Geschichten von einerFranzösin und ihrem Gemahl mitzutheilen,die bezeugen, dass wer an der Westthürsteht, während eine zweite Person auf derCorniche hinter dem Hochaltar leise spricht, indieser Distanz von 82 m. jedes Wort versteht.

Das Domarehiv besitzt Urkunden ausdem 12. und 13. Jahrh. und eine sici-lisehe Volksliedersammlung von 1680;im Campanile einige Vasen aus griechi-schen Gräbern.

In der zweiten Horizontalstrasse slid-westl. unter dem Dom (man geht derEa 9 ado entlang östl. und die zweite Sci-tenstrasse r. hinab) liegt (gegenüberNr. 24)*$» Maria de* Greci, die ältestechristliche Kirche in Girgenti, noch jetztist liier griechischer Kultus (klopfen,Kustodc V 2 Er.; früh Morgens ist dieKirche offen), mit erheblichen Resteneines sehr alten dorischen Tempels, nachSchubring des Athenetempels aus derZeit des Theron, von welchem Polyän(6,51) berichtet, er habe auf der Akro-polis zu Akragas einen Athenetempelprächtig erbaut. Er hatte an jeder Lang-seite (wahrscheinlich) 13 kannelirte Säu-len, und an den beiden Schinalfrontenje sechs, war also Ilexastylos Peripteros.Erhalten sind vom Peristyl sieben Säulenauf der Nordseite mit drei Stufen undzwei Säulen der Westseite sowie dievierte Säule auf der Südseite in der Kirche,hier auch ein Stücklein Cellamauer undwenige Fundamente in der Südostecke.(Ueber seine Benennung siehe Dom,S. 417, und Rupe Atenea, S. 420.)

I 11 diesem Tempel soll sich Gellias,einer der angesehensten Bürger von Akragas,durch grossartige Gastfreundschaft, lteich-thum, Edclmuth, Witz sich auszeichnend,bei der Eroberung seiner Vaterstadt durchdie Karthager verbrannt haben. Masse derTempelreste: Durchmesser der Säulen,unten 5; Zwischensäulen 5, 9; Arehitrav-hühe 3, 11; Gesammthöho des Frieses 3, 9;Breite des Triglyplien 2, der Metope 3,4;

Gesammthöhe des Gesimses 1,10; Stufenhöhe1, 8 und 1, 9 Falnü. Gesammtbreite desTempels (ohne die Stufen) 57, 8, erhalteneLänge 88, 1 P. — Im Vorhof einige Gebälk-fragmente.

In der Stadt sind noch hier und daReste von mittelalterlichen und Früh-renaissance-Bauten erhalten, besonderseinige schöne Portale.

Z. B. bei S. Domenico 1. die Via doll’Orfa.no hinan, in der ersten Strasse 1. (rechteSeite) an der Abbatella delle Orfane ein Portalaus dem 15. Jahrh-, — etwas höher an Pal.Gueli ebenso; noch höher an Pal. Filipazzidrei gothisehe Fenster: die Via S. Sofia hinan,r. die verfallenen Reste des normannischenPal. Buonadonna; — an S. Giovanni, ViaAtenea, diesseit Poi*ta Ponte, ein norman-nisches Portal; auf der Anhöhe darüber, amMonastero grande, ebenso.

Im Municipio ist eine kleine Samm-lung von Vasen und anderen Alterthü-mern. — Jenseit Porta. Ponte, dem Ost-thor Girgenti’s (S. 398), folgt auf denEnglischen Garten (s. oben) am West-gehänge des Athenefelsens der Eingangzur Villa, einer baiunreichen, öffent-lichen Anlage, die sich bis zum Kastellhinanzieht. Ausserhalb des Eingangs zurVilla führt r. (siidostwärts) ein steilesSträssclien zur Höhe hinan; biegt manoben nach 1. und folgt dem Weg gerade-aus, dann 1. hinauf und den Höhenrandr. (ostwärts) entlang, so kommt man nach1 /± St. zu einem hohen, steilen Felskopf,der *Rupe AtOliea* oben mit einem*Prachtblick über das ganze Gebietdes Süd- und Nordttheils, weit in dieGebirge hinein und über das Meer hin.

Es ist eine rechtwinklige Felsenter-rasse, die sich 18 m. über ihre Umgebungerhebt und nur 18 m. Länge und 7>/2 m.Breite hat; ihre Abschüssigkeit machte sienicht zum Bewohnen geeignet. Hierherkonnte kein grosser Tempel hinaufgebautwerden, und die Tempel des Zeus Atabyriosund der Athene, welche gewöhnlich hier-her verlegt werden, standen vielmehr indem modernen Girgenti an der Stelle, wosich jetzt Dom und S. Maria erheben. NachScliubring hat wahrscheinlich ein Heilig-thum des Flussgottes Akragax auf dem Athene-felsen gestanden, da man liier wie von einerWarte das Thal des schafetränkenden Akra-gas von seiner Quelle an überschaut.

Dem Strä.ssclien am Höhenrand ost-wärts weiter entlang und etwas nieder-wärts kommt man in 10 Min. nach SilllBiag'io, d. li. zur halbzerstörten Apsis