Buch 
Die Bevölkerungsaufnahme von Basel-Stadttheil am 25. Jenner 1837 : Bericht an E. E. Kleinen Rath
Entstehung
Seite
14
JPEG-Download
 

14

Lebensalter. ES muß indeß nicht vergessen werde«/ daß die Berechnung für diese Klasse nur auf einer ge-ringen Anzahl von Individuen beruht/ daß dieselbe daher keinen großen Grad von Zuverläßigkeit darbietet.Für ein höheres mittleres Lebensalter dieser Klasse unserer Einwohnerschaft läßt sich jedoch leicht der Grundauffinden / in dem Umstände/ daß die Ansiedlung jüngerer Heimathlose» / so wie ihre Verheirathung/ sich durchihre Verhältnisse sehr erschwert finden/ und daß überhaupt in sehr vielen Fällen die Heimathlosigkeit sich erstin einem Hähern Alter darstellt/ wenn fremde Individuen/ welche längere Zeit bei unS gelebt habe«/ sich nichtmehr die ordnungsmäßigen heimathlichen Ausweiseschriften zu verschaffen im Stande sind.

Daö auf obige Weise mittelst deS durchschnittlichen Alters der wirklich lebenden Individuen erhaltenemittlere Lebensalter läßt sich übrigens nicht vergleichen mit dem mittlern Lebensalter/ wie es gewöhnlich be-rechnet zu werden pflegt. Dieses wird abgeleitet auö den AlterSjahrcn der Gesammtheit der während eineslänger» Zeitraums verstorbenen Individuen. Bei einer stabilen Bevölkerung/ welche weder im Zunehmen nochim Abnehmen begriffen ist/ welche ferner in demselben Lande/ wo sie zur Welt kömmt/ lebt und stirbt/ undkeinerlei Zufluß von außen erhält/ müssen allerdings beide BerechnungSartcn zu demselben Ergebnisse führen.Die Verhältnisse der Bevölkerung von Basel-Stadttheil/ und namentlich der Stadt Basel / weichen aber vondiesen Bedingungen gänzlich ab.

Wenn auch die städtische Bevölkerung in keiner Zunahme begriffen wäre/ sondern/ wie z. B. in der letztenHälfte des vorigen Jahrhunderts/ sich ungefähr gleich bliebe/ und neue Ansiedlungen sich erschwert fänden/ sobesteht doch eine große Zahl der Einwohner aus nicht einheimischen Individuen/ namentlich die Klasse derHandwerksgesellen und der Dienstboten. Diese kommen in den kräftigsten/ der Sterblichkeit am wenigstenunterworfenen Allcrsjahren an/ sie verweilen nur zum geringern Theil bis zu ihrem Tode/ sondern sie ziehenwieder weg/ um in ihrer ursprünglichen Heimath sich niederzulassen und zu verheirathen. Aus diesem Grundeallein müßte man in einer Stadt wie Basel / und überhaupt bei städtischen Bevölkerungen unter ähnlichen Ver-hältnissen/ eine besonders geringe Sterblichkeit finden. Der verstorbene Domprobsteischaffner Daniel Bernoulli hat bereits bei Anlaß der BaSler Volkszählung von 1779 hierauf aufmerksam gemacht/ und nachgewiesen/ daßdie auffallend geringe Sterblichkeit von 1 auf 40 Individuen, welche damals sich ergab / weniger in physischenoder moralischen Ursachen/ als gerade in dem angeführten Umstände zu suchen sey. *) Außerdem ist aber gegen-wärtig die Bevölkerung in Basel in raschem Zunehmen begriffen. Sie hat sich seit 1815/ also innerhalb22 Jahren/ um den vollen Drittbeil vermehrt/ und es scheint/ daß gerade in den letzten Jahren die Zunahmebesonders stark gewesen ist. Der AnwachS rührt nicht sowohl von einem Ueberschusse der Gebornen über die Ver-storbenen her/ denn in Basel gleichen sich die jährlich Gebornen und Verstorbenen fast auS/ sondern es entstehtderselbe lediglich durch Einwanderung von Außen. Die größte Zahl der Einwanderer besteht aber ebenfallsaus Individuen in den besten Lebensjahren. Würde man daher das mittlere Lebensalter in Basel aus den Todten-listen zu berechnen suchen/ so müßte sich auö diesen Gründen augenscheinlich ein ungleich höheres Resultat er-geben ; und wenn daher das mittlere Lebensalter/ abgeleitet aus dem Alter aller Lebenden/ wie eS oben geschehenist, geringer ausfallen dürfte alö daö mittlere Alter/ welches die in Basel zur Welt kommenden Individuendurchschnittlich erreichen, so müßte eine Bestimmung mittelst der Todtenlisten offenbar ein viel zu hohes Re-sultat geben. **)

Ein Blick auf die verschiedenen Rubriken der Alterstabellen, z. B. auf die Zusammenstellung in Tab. xviiwird nicht nur die Richtigkeit der obigen Schlüsse darthun, sondern unö überhaupt eine genauere Einsicht indie Art und Weise der Zusammensetzung einer städtischen Bevölkerung, wie die von Basel , verschaffen; und indieser Beziehung dürften diese Tabellen nicht nur für unsern nächsten Zweck, sondern auch für statistische Unter-suchungen im Allgemeinen, von wesentlichem Interesse seyn.

*) S. Anmerkungen über die neulich publicirte Tabelle der Einwohner der Stadt Basel . 1780.

**) Diese Umstünde sind oft nicht gehörig beachtet worden, »laiivt a. a. O. stellt z. B. das hohe mittlere Alter, welcheser aus den Todtenlisten für Genf ableitet, fast ausschließlich als eine Folge eines vorgerückten CivilisationSzustandcSdar. In den allerletzten Jahren war indeß das mittlere und wahrscheinliche Lebensalter in Genf nach seinen eigenenBerechnungen, eher wieder im Abnehmen, »nd der Grund dürfte eben in der minder raschen BevölkerungSzunahm«von Genf in den letzten Jahren, im Gegensatz zu den vorangehenden, liegen.