Buch 
Vocabularius optimus : zur Begruessung der in Basel versammelten Philologen und Schulmänner. XXIX Herbstmonats MDCCCXLVII / im Auftrage der Universitaet herausgegeben von Prof. Dr. Wilhelm Wackernagel
JPEG-Download
 

Der vorzüglichste Weg, auf welchem das Mittelalter, nicht ohne Glück, den Unterricht in den Suchenmit dem in den Worten gesucht hat zu vereinigen, war die Abfassung encgclopcedischer Wörterbücher;es giebt deren in nicht geringer Zahl aus verschiedenen Zeiten und Ländern; auch Deutschland ist vonder Gründung seiner Klosterschulen an und bis in das zwölfte Jahrhundert reich daran gewesen, später-hin nicht mehr. Die Universitwtsbibliothek von Basel besitzt ein lateinisch-deutsches Wörterbuch der Art,das zu seltener Ausnahme noch aus dem vierzehnten Jahrhundert stammt; als Denkmal der früheren Pä-dagogik, als Quelle der Sprach- und Alterthumskunde scheint dasselbe von so grofsem Belang, dafs wohlnicht unpassend seine Veröffentlichung diesen Tag bezeichnet und im Namen der Universität die Philo-logen und Schulmänner willkommen heifst, die jezt in den Mauern Basels gastlich sich versammeln.

Eine kurze Nachricht von diesem Werke und kleinere Probestücke daraus sind schon bei einem frü-heren Festanlafse gegeben worden, in meinem Programm über die Altdeutschen Handschriften der Basler Universitwtsbibliothek 1835. S. 53 fg. Es ist die Pergamenthandschrifl F. JII. 21 in Kleinfolio, ehemals,wie mehrfache Inschriften zeigen, dem Predigerkloster in Basel zugeltwrig: z. B. vorn auf der innerenSeite des Deckels steht (QJuis hoc in veniet fratri alberto ordinis predicatovum bafilienfium redderedebet. Sie enthält zuerst auf 23 schon von alter Hand gezwhlten Blättern das Wörterbuch, sodann nochauf zwei ungezmhlten eine cpiftolaris dictaminis fununa breuis; der Schreiber ist beidemal derselbe,mul beides, mit Ausnahme der Einleitung des Wörterbuches, spaltenweis geschrieben.

Der Vocabularius optimus (so haben die Prediger auf dem Einband ihn betitelt, und wir wollenihm den guten Namen nicht verkürzen) vertheilt -und ordnet also, hcechst lehrreich auch für uns und dop-pelt nutzbar namentlich für die Culturgeschichte, seinen grofsen Wortvorrath nach Mafsgabe des Inhalts,und nur wo dieser nicht leiten konnte, innerhalb der 37 sleu und der folgenden Rubriken, nach dem Al-phabet. Er schliefst sich dabei, mittel- oder unmittelbar, den Etgmologien des Isidorus an, wie eben die-selben schon für alle früheren Werke dieser Art die Grundlage gebildet hatten; die grammatischen Denk-verse, die ab und zu an schicklichen Stellen eingeschaltet sind, meegen aus Handbüchern entlehnt sein wiedem s. g. Grwcismus, und wohl aus eben solchen, schwerlich aus den Urschriften selbst, die öfters ange-

1 *