552
dert Neuenburger unter dem Obersten Petitpierre. DieBürgerschaft wird in der Stadtkirche versammelt, die vonaufgestellten Truppen umgeben ist. Zweimal mußte manihnen den Huldigungseid vorlesen. Schnorf konnte sichnicht entschließen, ihn zu leisten. Traurig wendete er sichmit der Frage: Was haltet ihr davon? an seine Mit-bürger. Als er keine Antwort erhielt, ergab auch er sichin das Unvermeidliche. Baden verpflichtete sich, offeneStadt und in Kriegsfällen neutral zu bleiben. Es behieltseine Rechte. Die Glocken mußte es mit zweihundertLouisd'or loskaufen. Es blieb bei seiner Religion, mußteaber die Erbauung einer reformirten Kirche außerhalbder Stadtmauer zugeben. Zn seine vierundfünfzig Kano-nen und vier Mörser theilten sich die Sieger "^). Sac-conay schritt zwischen den Bürgern und dem erbittertenZürich vermittelnd ein. Er bat die Verbündeten, derStadt ihre Wälle als Schutzwehrr nach der deutschenSeite hin zu lassen, doch umsonst. Badens Festungswerkewaren in wenigen Stunden abgetragen?°°).
Er hatte Befehl erhalte», die Lnzernische Gränze nicht zu über-schreite», da Luzern mit Nenenburg im Bunde stand.
199) „Ihr habt ja mehr Artillerie als wir," sprach lächelnd Sacconayzum Schultheißen . Der Greis wendete sich bei diesen Wortenmit der Bitte an den General, das zürnende Zürich zu besänfti-gen. — Davel schrieb unterm 4. Juni 1712 an den GeneralSinner: „Die Stadt wurde sehr hart behandelt. Etwas mehrMenschlichkeit hätte im eigenen Interesse des Souverains gelegen.Wir haben darin mehr als fünfzig Kanonen und sehr schöneZeughäuser gefunden. Die Besatzung war 1000 Mann stark undhat sich zur Uebergabe entschlossen auf mein Zureden hin, als ichmit einem Auftrage dahin abgeordnet ward. Ich hatte ihneneine mildere Behandlung versprochen. Ich fürchte, die guten Er-folge unsrer Massen möchten uns zu schädlichem Uebermuthe ver-leiten. Indessen darf ich nicht in Betrachtungen eingehen, dieeinem Manne von untergeordnetem Range nicht zukommen." Nisv.kelv. bei H. v. Mülinen.
200) In Baden blieb eine Besatzung von 1200 Mann. — Werdmüller.