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Elemente der Geologie / Hermann Credner
Entstehung
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I. Physiographisclie Geologie.

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der ostindischen Inseln dem asiatischen, Tasmanien , Neu-Guinea und Ce­ lebes dem australischen, Yancouver, Neufundland und das Feuerland demamerikanischen Kontinente an, und erst seewärts von ihnen stürzt sich derMeeresboden steil zu dem eigentlichen ozeanischen Becken ab, beginnt alsoerst der Ozean.

Die Lostrennung der Gestadeinseln vom Festlande ist entweder durchden zerstörenden Einfluß der Gewässer, sowie überhaupt der Atmosphä-rilien (z. B. bei den Schären-Inseln), oder durch örtliche Senkung undteilweise Überschwemmung der Kontinente geschehen. Die Merkmaleeiner Entstehung, wie der letzterwähnten, zeigen sich am deutlichsten beiGroßbritannien und Irland . Ein seichter, im Durchschnitte nur öO m tieferMeeresarm, die Nordsee und der Kanal, hat sich zwischen sie und das Fest-land gedrängt. Dies ist, von geologischem Standpunkte aus aufgefaßt, erstvor kürzerer Zeit geschehen, da die britischen Inseln alle wilden Gew ächseund Tiere des europäischen Festlandes besitzen, soweit sie ihrem Klimazukommen. Eine Wiedervereinigung dieser Inselgruppe mit dem Kon-tinente durch eine säkulare Hebung würde demnach eine wesentliche Ver-änderung der Pflanzen- und Tierw elt nicht zur Folge haben. In einemganz ähnlichen Verhältnisse stehen Borneo , Java und Sumatra zum asia-tischen, Celebes , Neu-Guinea und Tasmanien zum australischen Kon-tinente, nur hat ihre Lostrennung bereits vor langen geologischen Zeiträumenstattgefunden. Die Grenzscheide der asiatischen von der australischenGruppe des Archipels zwischen Asien und Australien ist eine über 100Faden tiefe unterseeische Kluft, welche sich in nur vier Meilen Breitezwischen Bali und Lombok einerseits und Celebes und Borneo andererseitshindurch zieht. Nordwestlich von ihr sind die Tier- und Pflanzenformenasiatisch, südöstlich viel mehr australisch.

Inselbildungen infolge fjordartiger Küslenzerstückelung treffen w ir nurunter hohen Breiten und zwar an den pazifischen Ufern des britischen unddes früher russischen Nordamerika , sowie Patagoniens, endlich an der ge-fransten Küste Grönlands , Norwegens und Schottlands .

Die ozeanischen Inseln liegen fern von den Küsten der Kontinenteund stehen zu diesen in keiner unmittelbaren Beziehung. Sie sind ent-weder Gebirgsplateaus oder Berggipfel unter den Meeresspiegel gesunkenerFestlande, also deren letzte Überreste (wie Ceylon und Madagaskar ), oderund zw ar bei weitem ihrer Mehrzahl nach jung vulkanische oder korallineBauwerke. Höchst charakteristisch ist die sehr gewöhnliche Anordnungder Vulkaninseln zu flachen Kurven, welche so gestellt sind, daß ihreWölbung dem Ozeane, ihre konkave Seite dem Festlande zugew r endet ist.Die Aleuten, Kurilen, Liu-Kiu-Inseln, die kleinen Antillen sind trefflicheBeispiele der Art. Manche Vulkaninseln weisen jedoch Kerne oder Partiensehr alter Gesteinsbildungen (Gneiß, Quarzit, Phyllit, Kalkstein, Granit,