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V. Architektonische Geologie.
Als Folge zweier Druckkräfte, die sich gleichzeitig von zwei Seiten heräußern, kann eine Art Faserung oder Griffelung der Schiefermasse er-zeugt werden, so z. B. hei den untersilurischen Griffelschiefern Thüringens .
§ 6. Scliiclitenstörimgen durch Spaltungen und Verwerfungen.Im engsten genetischen Zusammenhänge mit der Faltung ganzer Schichten-systeme standen Zerberstungen und Zerreißungen der letzteren, alsoSpaltenbildungen (vergl. S. 188). Durch sie getrennte Gebirgsteile ver-loren ihren ursprünglichen Zusammenhang, so daß jeder für sich von demfortdauernden Seitendrucke in verschiedenem Maße betroffen werdenkonnte. Die dadurch hervorgebrachten Verrückungen ihrer gegenseitigenLage bezeichnet man als Verwerfungen oder Dislokationen, dieSpalte, welche die Möglichkeit der Bewegung und zugleich die Bahn der-
selben geliefert hat, als Verwer-fungsspalte, Dislokations-spalte oder Sprungkluft (Fig.92), die Größe der stattgehablenNiveauveränderung als Sprung-höhe. Dieselbe ist äußerst ver-schieden; bald beträgt sie nur ei-nige Centimeter, bald mehrere Me-ter, erreicht nicht selten einigeHundert, ja zuweilen tausend undmehr Meter.
Fig. 92. Verwerfungen.
B vertikale, D geneigte Verwerfungsspalte,ab und a'b' Sprunghöhe.
Wie zu erwarten, übte die rutschende Bewegung größerer Gebirgs-glieder auf die Spaltenwände eine mehr oder weniger auffallende mecha-nische Einwirkung aus, infolge deren dieselben geglättet, poliert und in derRichtung der Bewegung mit Friktionsstreifung versehen sind (Rutsch-flächen, Harnische, Spiegel), während die angrenzenden Schichten-enden einerseits aufwärts, andererseits abwärts geschleift und geknicktwurden. Der durch diese Vorgänge gelieferte gröbere oder feinere Gesteins-schutt füllt gewöhnlich die Verwerfungsspalten gangartig aus.
Letztere treten oft in ein und derselben Gegend in größerer Zahl ver-gesellschaftet auf und sind dann entweder zugleich oder mit größeren zeit-lichen Unterbrechungen entstanden. Sie streichen teils parallel, teils durch-schneiden sie sich unter rechten oder schiefen Winkeln und verursachenin diesem Falle eine vollkommene Zerstückelung der betreffenden Partiender Erdkruste , welche nicht selten mit einer gegenseitigen Verschiebungaller polyedrischen Zerklüftungsstücke verbunden ist (Fig. 93). Laufen dieVerwerfungsspalten parallel oder fast parallel, so können sie die Veran-lassung zur Ausbildung eines treppenförmigen Schichtenbaues (Fig. 94)geben, durch welchen eine scheinbare Aufeinanderfolge und regelmäßigeAbwechslung ähnlich zusammengesetzter Schichtenreihen hervorgebracht