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Elemente der Geologie / Hermann Credner
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V. Architektonische Geologie.

§ 9. Lagerungsformen der massigen Gebirgsglieder. Die ober-flächlichen Ausbildungsformen der Eruptivgesteine haben ihre Wurzeln in

der Erdkruste , welche sie alsGänge und Stöcke durch-setzen. An der Erdoberflächeangelangt, staut sich die Erup-tivmasse entweder zu Kup-

Fig, 100."'a Gänge. £ Stock, c Kuppe, d Decke. peil auf oder breitet sich ZU

Decken und Strömen aus,welche bei wiederholten Eruptionen förmliche Deckensysteme oder vonMeeresniederschlägen bedeckte Lager bilden können.

1) Gänge sind von Gestein angefüllte Spalten, demnach mehr oderweniger plattenförmige Gesteinsmassen, welche geschichtete sowohl, wiemassige Felsarten unter den verschiedensten Winkeln durchsetzen, und sinddemnach der Typus durchgreifender Lagerungsformen. Die Kontaktflächenzwischen Gangmasse und Nebengestein nennt man Salbänder. DieGangmasse umfaßt häufig losgerissene, zum Teil aus tieferen Niveaus em-porgehobene Fragmente des Nebengesteines (siehe Profil Fig. 101), unddringt auf der anderen Seite zwischen die Schichtungsflächen und Risse derletzteren und bildet dann seitliche Injektionen (Apophysen, Verzweigungen).Schon früher (S. 299) wurde auf die häufige Erscheinung aufmerksam ge-macht, daß die Struktur des Ganggesteines in der Mitte seiner Mächtigkeitgrobkörnig zu sein, in der Richtung nach dem Nebengestein feinkörnig zuwerden pflegt und endlich in der Nähe der Salbänder, also auf den Abküh-lungsflächen, sich ganz dicht zeigt. Die Gänge können bis zu mehreren Hun-

mm

Fig. 101. Profil in dem Stollen derEisensteinsgrube FröhlicheZu-sammenkunft b ei Br eitenbr u nn.Glimmerschiefer wird durch einen 2,3 mmächtigen Granitgang durchsetzt, welcherflach schollenförmige Fragmente des Ne-bengesteines umfaßt.

Fig. 102. Verschiedenalterige Granitgängeim Gneiß des Ilzthales im ostbayerischenWaldgebirge. Nach Gütnbel.a Gneiß . G l älteste Granitgänge, G 2 jün-gerer Granitgang, G 3 jüngster Granitgangmit seitlicher Apophyse.

dert Metern Mächtigkeit und mehrere Meilen Längenerstreckung erreichen,erstere wechselt jedoch an verschiedenen Stellen ein und desselben Ganges , jenachdem sich Anschwellungen oder Verschmälerungen desselben einstellen.

Manche Distrikte sind reich an Gesteinsgängen; diese können dannentweder parallel laufen oder radial von einem Punkte ausstrahlen, wie beiVulkanen, oder sich gegenseitig durchsetzen, wobei sie sich nicht selten