V. Architektonische Geologie.
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Schichten zu jener Kette bereits abgeschlossen war, ehe die jüngeren, hori-zontal liegenden abgelagert wurden, daß also die Schichtenstörung und, wasgleichbedeutend ist, die Gebirgsbildung in den zwischen der Ablagerungbeider Schichtenreihen liegenden Zeitraum fällt. Da jedoch die Gebirgenicht aus einem einzigen Faltungsakte hervorgegangen, also nicht wie miteinem Rucke emporgestiegen sind, da vielmehr ihre Bildung in einer ganzenReihe sich successive wiederholender oder lang andauernder Stauchungenzu suchen ist, von denen jede einzelne die sich inzwischen abgelagerthabende Schicht ergriff, so finden auch innerhalb der am Gebirgsbau teil-nehmenden Schichtenreihen Diskordanzen statt, mit deren Hilfe es möglichist, den Zeitpunkt des Beginnes der Faltungen, aus welchen ein Gebirgehervorging, zu fixieren. So begannen die Faltungen des heutigen Alpen-gebirges erst nach der Ablagerung der konkordant aufeinander liegendenTrias-, Jura- und Kreideformation, also im Anfänge der Tertiärperiode (imEocän), während die eigentliche Hauptfaltung erst in die jüngere Tertiärzeitfällt. Ähnliches gilt vom Juragebirge; beide sind demnach sehr jugend-lichen Alters. Die Zusammenstauchung der paläozoischen Schichten zumHarze begann in der karbonischen Periode und dauerte bis zum Schlüsseder Kreideperiode, denn einerseits sind die oberkarbonischen und permi-schen Schichten im eigentlichen Harzgebirge nicht mehr zur Ablagerung ge-langt (das Areal des späteren Harzes war also bereits über den Meeres-spiegel gehoben), andererseits ist die Kreideformation noch von den mit derHebung verknüpften Schichtenstörungen betroffen und zwar vollständigüberkippt worden. Die fundamentale Faltung des Erzgebirges stammtaus der Karbonzeit, denn das Unterkarbon (der Kulm) ist von ihr ergriffenund zu einer engen Mulde zusammengepreßt worden, während das Ober-karbon (die produktive Steinkohlenformation) diskordant und horizontal aufden Flügeln der ersteren ruht. Andere Gebirge, z. B. die Huron Mountainsin Nordamerika , hatten ihre Erhebung bereits vor Beginn des silurischenZeitalters erlitten, denn die Ablagerungen dieser Periode liegen horizontalauf den Schichtenköpfen der kristallinischen Schiefer.
b) Die massigen Gebirgsglieder.
Die massigen Gebirgsglieder sind ihrer großen Mehrzahl nach erup-tiven Ursprunges, sind mit anderen Worten auf Wegen des geringstenWiderstandes, also auf Spalten, in glutflüssigem Zustande aus dem Erd-inneren durch die Erdkruste bis auf deren Oberfläche emporgedrungen undhaben dadurch wenigstens in ihren Wurzeln durchgreifende Lagerungerhalten. Durchgreifend gelagerte Gesteine durchsetzen andere Gebirgs-glieder ganz unabhängig von deren Beschaffenheit, Schichtung und Strukturund behaupten innerhalb eines jeden derselben ihre allgemeinen Eigen-schaften unverändert.
Credner, Elemente d. Geologie.. 5. Auf],
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