Buch 
Elemente der Geologie / Hermann Credner
Entstehung
Seite
366
JPEG-Download
 

366

V. Architektonische Geologie.

die beiden mit 1 bezeichnten die ältesten, denn sie werden von allenübrigen durchsetzt und zum Teil verworfen. Dem Alter nach folgt ihnen derZinnerzgang 2, welcher die Gange 1 durchsetzt, dahingegen im Verein mitdiesen vom Zinnerzgang 3 verworfen wird. Noch jünger als 1, 2 und 3 sinddie beiden Kupfererzgänge 4, denn sie verwerfen die sämtlichen übrigen.

Fig. tl2. Gangverwerfungen in derPeever-Grube in Cornwall .1,2, 3 verschiedenalterige, siebverwerfende Zinnerzgänge; 4 nochjüngere Kupfererzgänge.

Fig. 113. Gangauslenkungen.Andreasberg. (H. Crd.)

Neben den eigentlichen Verwerfungen eines Ganges durch einen an-deren oder durch eine Spalte kommen den Verwerfungen ähnliche Störungenin dem Verlaufe der Mineralgänge vor, die dadurch zu erklären sind, daßGangspalten bei ihrem Entstehen auf steile, flache oder entgegengesetzt ein-fallende Ablösungsflächen oder Klüfte trafen, diesen als Flächen des ge-ringsten Widerstandes eine Strecke weit folgten und dann in ihrer ur-sprünglichen Richtung weiter in die Höhe fortsetzten. Derartige Gang-auslenkungen sind hiernach nicht die Folgen von Verrückungen derfertigen Mineralgänge auf später entstehenden Klüften, sondern Ablenkungenvon ihrer Hauptrichtung bei dem Entstehen ihrer Spalten auf bereits vor-handenen Diskontinuitäten. Auf diese Weise erklärt sich die gegenseitigeVerwerfung, die gleiche Ausfüllung und die völlige Verschmelzung der Aus-füllung zweier sich verwerfender, also anscheinend verschiedenalterigerGänge, ferner sich oft in kurzen Zwischenräumen nach ganz entgegenge-setzten Richtungen wiederholende knieartige Knickungen der Gänge, sowie dieErscheinung, daß sich die getrennten Flügel eines Mineralganges schmitzen-artig an eine Verrückungsspalte anlehnen und mit dieser eine Strecke weitschleppen (Fig. 113 a), und endlich, daß sich der eine Gangflügel in der Näheeiner Spalte vielfach zertrümert, während der andere nur ein Gangstückbildet (Fig. 1136). Solche Gangauslenkungen sind namentlich aus denGangdistrikten von Andreasberg , Przibram, Nagyag und Clausthal bekanntgeworden.