V. Architektonische Geologie.
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tung in mehrere größere Äste, sie gabeln sich, oder in zahlreiche schmaleTrümer, sie zerschlagen oder zertrümernsich, um sich dann entweder allmählich im Neben-gesteine zu verlieren (siehe Fig. 111) oder sich wie- 'der zusammenzuscharen. Nicht selten trennensich Trümer an irgend einer Stelle vom llauptgange,ziehen sich in das Hangende oder Liegende undkeilen sich hier entweder aus (als hangendeoder liegende Trümer) oder legen sich wiederan den Hauptgang an (als Bogentrümer) oder Fig. m. zertrümerung des
_ . Andreaskreuzer Ganges bei St.
lauten endlich nach einem benachbarten Gange, uni Andreasberg im Harze,sich mit diesem zu vereinen (Diagonaltrümer).
Wie bereits aus der Glättung und Streifung der Gangwände hervor-geht, sind in vielen Fällen durch die Gangspalten z. T. sehr beträchtlicheVerwerfungen bedingt worden, so im Clausthaler Distrikte, wo z. B. beiBockswiese das Liegende eines der dortigen Erzgänge vom Devon , dessenHangendes aber vom Kulm gebildet wird, sodaß hier eine Verwerfung derSchichten um fast 300 m stattgefunden haben muß. Derartige mit Verwer-fungen verknüpfte Gänge bestehen oft zum großen Teile aus Bruchstückenund Zermalmungsprodukten des Nebengesteines, welche durch die mit derVerschiebung verbundene Zertrümmerung der Schichtenenden erzeugtworden sind.
§14. Verhältnis mehrerer Gänge zu einander. Ein Mineralgangtritt selten für sich allein, vielmehr meistens mit anderen vergesellschaftetauf. Diese ziehen sich dann in größerer oder geringerer Parallelität oftweit nebeneinander her; eine solche zonenweise Gang Vergesellschaftungwird als Gangzug bezeichnet. Vereinigen sich zwei dieser Gänge, soscharen sie sich, legt sich der eine an einen anderen an, so wird ervon diesem geschleppt, durchschneiden sie sich gegenseitig, so durch-setzen sie einander und bilden ein Gangkreuz.
Verwerfungen eines Mineralganges entstehen dadurch, daß dieserim Verein mit seinem Nebengesteine von einer Spalte durchsetzt wird. Dieauf solche Weise getrennten Gebirgs- und Gangflügel können unabhängigvoneinander von einer Bewegung betroffen werden, wodurch die getrenn-ten Gangenden gegeneinander verrückt, also verwarfen werden. Meist hatein Abwärtsrutschen, eine Senkung des Hangenden auf dem Liegendenstattgefunden. Die verwerfende Spalte kann zugleich die Veranlassung zurBildung eines jüngeren Mineralganges, des sogenannten Verwerfersgeben. In diesem Falle erhält die Ausfüllungsmasse des Verwerfers ge-wöhnlich einen anderen mineralischen Charakter, als ihn der verworfeneGang besitzt. Das durch Fig. 112 wiedergegebene Beispiel ist dem Zinnerz-distrikte von Cornwall entnommen. Von den hier dargestellten Gängen sind