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Elemente der Geologie / Hermann Credner
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8. Jura.

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gigas werden auch wohl entweder für sich oder mit den EimbeckhäuserPlattenkalken (siehe S. 618) als eine selbständige Stufe, der Portland ,aufgefaßt.

Den interessantesten Schichtenkomplex der Kimmeridgeformation bil-den die Solenhofener Schiefer. Ihr gleichmäßiges Gefüge, die Fein-heit ihres Kornes bedingen nicht nur den hohen technischen Wert dieserPlattenkalke, sondern haben sie auch zugleich zur Erhaltung der zartestenTeile von Organismen befähigt, so daß uns in ihnen eine reiche oberjuras-sische Fauna überliefert worden ist, die ohne so günstige Verhältnissespurlos verschwunden wäre. Ihre Hauptrepräsenlanten sind nackte Ce-phalopoden mit Schulp, Mantel, Kopf, Armen, Magen und Tintenbeutel,ferner Aptyehen, Krebse, namentlich Astaciden mit vielgliederigen Fühlernund wohlerhaltenen Scheeren und Füßen, Crustaceenlarven, Libellulidenmit dem zartesten Netzgewebe der Flügel, Fischskelette vorzüglich vonLepidotus-, Megalurus- und Aspidorhvnchus-Arten, endlich Reste, ja zumTeil vollkommene Knochengerüste des Pterodactylus und Rhamphorhyn-chus. Denselben Schichten entstammen, wie bereits erwähnt, die Knochen-reste und Federn von Archaeopteryx.

c) Der Purbeck.

Während die Juraformation in den meisten ihrer Verbreitungsgebietemit den Schichten des Ammonites gigas oder mit dem an Exogyra virgulareichen oberen Kimmeridge abschließt, folgt auf diesen im südöstlichenEngland und an den gegenüberliegenden Küsten Frankreichs , sowie imnordwestlichen Deutschland eine z. B. am Deister bis 500m mächtigeSchichtenreihe, welche mit dem Namen Purb eck belegt worden ist. Siebesteht in Deutschland (siehe Fig. 369) zu unterst aus dünnplattigen Kalk-steinen (Eimbeckhäuser Plattenkalk) voll Corbula inflexa Dunk., auf welcherote und grünlichgraue Mergel (Münder Mergel) mit Gyps- und Steinsalz-einlagerungen, sowie mit Corbula, Paludina und Cyclas folgen. Sie wie-derum werden von einem Kalkstein, dem Serpulit, überlagert, der vonSerpula coacervata Blum, angefüllt ist und zum Teil fast allein aus denRöhren derselben besteht, zu denen sich noch einige Cyrenen- und Corbula-Arten gesellen. Wie die organischen Beste des deutschen Purbeck be-weisen, ist dieser eine Brackwasserbildung.

In England besitzt die Schichtenreihe des Purbeck nur 53 m Mächtig-keit und besteht, abgesehen von einem Kalksteinkomplexe marinen Ur-sprungs (mit Ostrea, Pecten, Avicula), ebenfalls aus Brackwasser- und Süß-wassergebilden. Es sind thonige graue Kalksteine und Mergel mit Arten vonPaludina, Planorbis, Limnaea, Melania, Cyclas, Cyrena, Corbula, Unio undCypris; namentlich letztere bedecken die Schichtungsflächen in ungeheuerenScharen. Dem mittleren Niveau des Purbeck gehört die nur wenige Zollmächtige Schicht an, welche durch die zahlreichen Funde von einge-