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Elemente der Geologie / Hermann Credner
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VI. Historische Geologie.

abgebaut werden), namentlich als sogenannte Wealdenkohle für denNordwesten Deutschlands Wichtigkeit, wo dieselben am Deister , Osterwald,in Bückeburg und in der Grafschaft Schaumburg das Objekt eines ausge-dehnten Bergbaues sind. Die meisten dieser Kohlen zeigen die Eigen-schaften einer echten bituminösen Steinkohle, sind jedoch nicht wie dieder paläozoischen produktiven Steinkohlenformation aus der Vermoderungvon Sigillarien, Lepidodendren und Calamiten, sondern aus der von Coni-feren und Cycadeen hervorgegangen. Abbauwürdige Eisenerze derdeutschen Kreideformation sind z. B. bei Peine in Hannover bekannt, wozusammengeschwemmte, sphäroidische, nuß- Bis faustgroße Geschiebe vonBrauneisenstein, die durch feineren Schutt desselben Erzes verbunden sind,eine der obersten Kreide angehörige, i5 m mächtige Lagerstätte bilden.Ganz ähnlich ist das Eisensteinvorkommen von Salzgitter , nur gehört esdem untersten Niveau der Kreidö, dem Neocom, an und besitzt 1016mMächtigkeit. Es besteht aus erbsen- bis nußgroßen Kügelchen nebst größe-ren scharfkantigen und eckigen Stücken von Brauneisenerz. Dieselbenstammen, wie die zahlreich zwischen ihnen vorkommenden abgeriebenenund gerollten jurassischen Versteinerungen beweisen, von den Sphärosi-deritnieren des Lias und Doggers ab, welche durch das Neocom-Meer zu-sammengeschwemmt und durch gegenseitige Reibung zerkleinert und ab-gerundet wurden. Auch an anderen Lokalitäten (so namentlich am Nord-abfalle der Karpathen) umschließt die unterste Kreide zusammenhängendeFlötze oder lagenweise nebeneinander liegende Knollen von Brauneisenstein.

Paläoutologischer Charakter der Kreide. An vegetabilischen Über-resten ist die Kreideformation als eine größtenteils marine Bildung im all-gemeinen arm, nur einige wenige Horizonte des gesamten Schichtensystemessind reich an Pflanzenresten. Nach ihnen zu urteilen, schloß sich der Ge-samtcharakter der kretacöischen Flora während der ersten Hälfte der Kreide-periode innig an den der jurassischen an. Es sind dieselben Geschlechterder Farne, Cycadeen und Coniferen, welche aus dem Jura, ja bereits ausdem Rhät bekannt sind. Erst inmitten der Kreidezeit, im Cenoman, er-scheinen, in der Entwickelungsgeschichte der Erdbewohner ein epoche-machendes Ereignis, in den Blättern von Credneria, sowie solchen vonSalix , Acer, Quercus , Ficus u. a. auf dem amerikanischen Kontinentesowohl, wie auf dem europäischen die ersten Vertreter der an-giospermen Dikotyledonen, während zugleich die Farne sehr spar-sam werden und Cycadeen und die rein tropischen Formen der Coniferenmehr und mehr zurücktreten. Berühmte Fundorte kretacöischer Angiosper-men sind Haldem und Legden in Westfalen *), Niederschöna in Sachsen ,

*) Hosius und v. d. Mark. Flora d. westfäl. Kreideforni. Palaeontogr. 1880.Hd. XXVI. S. läö.