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Elemente der Geologie / Hermann Credner
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9. Kreideformation.

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Kieslingswalde in Schlesien , Blankenburg und Quedlinburg am Harz ,Aachen in Rheinpreußen, zu denen sich neuerdings eine Anzahl von Punk-ten an der Küste von Noursoak in Nordgrönland gesellt haben (siehe unter:Geographische Verbreitung der Kreide).

Es wurde oben betont, daß die Kreideformation eine fast ausschließ-lich marine sei; wie jedoch später eingehender gezeigt werden wird, istder normale marine Schichtenkomplex der Kreideformation nicht in allenVerbreitungsgebieten derselben zur Ausbildung gelangt, vielmehr wird ihrunterster Horizont in verschiedenen Gegenden durch eine Sumpf- und Brack-wasserbildung, die Wealdenfor-mation, ersetzt. Die Einleitung zu einersolchen erblickt man bereits in den Hebungen, die sich am Ende der Jura-.zeit auf dem jurassischen Meeresgründe bethätigten, und durch welche dieBrackwasserbildungen des Purbeck bedingt wurden. Infolge dieser Niveau-veränderungen wurde das mit Purbeckablagerungen bedeckte Areal zueinem morastigen, lagunenreichen Küstenstriche gehoben und-erzeugte aufdiesem eine üppige Flora von Cycadeen, Coniferen und Farnen, welche dasMaterial der Wealdenkohle lieferten, und deren wohlerhaltene Reste uns inden die Flötze begleitenden Schieferthonen überliefert worden sind, genauwie es in der älteren produktiven Steinkohlenformation der Fall ist (sieheS. 169 u. 195). Bei Besprechung der Wealdenflora wird gezeigt werden,daß auch sie sich eng an die des Jura anschließt.

Die Hauptmomente der Entwickelung des tierischen Lebens im Ver-laufe der Kreideformation sind folgende. Die Foraminiferen erscheinenin enormer Anzahl und nehmen einen wesentlichen Anteil an der Zusam-mensetzung der weißen Schreibkreide, und sind überhaupt in den oberstenNiveaus der Formation sehr häufig. Die Glaukonitkörner, welche mancheSandsteine, Mergel und Kalksteinschichten ganz ausfüllen, sind zum Teilenichts als die Steinkerne von Foraminiferen. Neben einer Unzahl mikro-skopischer Formen fallen zahlreiche Vertreter der Geschlechter Textularia,Frondicularia, Nodosaria, Siderolithes, Orbitulina durch die Zierlichkeit ihresBaues ins Auge. Daneben erscheinen Orbitoides, Nonionina und Opercu-lina. Die Spongien erhalten einen noch größeren Formenreichtum wiedie der Jurazeit. Namentlich besitzen die Ilexactinelliden und Lithistidenin der oberen Kreideformation Repräsentanten von außerordentlich zier-licher und gefälliger Gestalt, so namentlich das schirmartige Coeloptvchium,ferner Ventriculites, Coscinopora, Siphonia, Jerea u. a. Die Korallen sindverhältnismäßig seltener als im Jura; ausgedehnte Korallenriffe und -bänke,wie sie für diese Formation bezeichnend sind, sind auf die oberste Stufeder dänischen Kreide (Korallenkalke von Faxe) und auf die alpinen Gebietebeschränkt. Die vorkommenden Arten gehören vorzüglich den Geschlech-tern Cyclolites, Micrabacia, Trochosmilia, Heterocoenia, Astrocoenia, Lati-maeandra, Calamophyllia, Thamnastraea, Cladocora, lleliopora u. a. an. Die