EI.XWÄXDE GEGEN DIE THEORIE DER GENIALITÄT. 19
Satzes: »Mit dem Messer, nicht mit Gründen mussman dem antworten, der so spricht.« Sein Rache-durst beschränkt sich auch nicht auf Personen, sondernwendet sich gegen Städte, gegen Reiche und Re-genten, gegen Familien, Klassen und Institutionen.Ifr hasst und verwünscht Florenz und erklärtschliesslich, »wenn ihn auch das Schicksal dazuverurtheilt hätte, als Florentiner zu gelten, so solledoch die Nachwelt wissen, dass ihm mit Florenz nichts gemein wäre, als Boden und Luft«; er ruftdie Fremden gegen Florenz auf, gegen »die auf demBusen ihrer Mutter sich windende Viper, gegen dasräudige Schaf, das die Heerde seines Herrn befleckt.« *)Er verleugnet seine Vaterstadt und dabei vibrirt inseiner Dichtung überall die Liebe zu ihr, und seinesüsseste, verborgenste Hoffnung ist, einmal in denBusen von Florenz zuriiekzukehren und an ihm diemüde Seele ruhen zu lassen, liier und nirgendssonst will er die Dichterkrönung empfangen.
,,\Venn je (las heilige Gedicht, an dem mir Erde und Himmelhalfen, Uber dem ich meine Kraft verloren habe,
Die Grausamkeit besiegt, die mich von der schönen Hürdeausschliesst, wo ich als I.amm schlief, den Wölfen feind, die siebedrohen,
So werde ich mit anderer Stimme, anderem V Hesse als DichterzurUckkehren und an der Quelle meines Taufwassers die Dichter-krone empfangen." Parad. XXV. v. I—3.
Inzwischen ist ihm Florenz das Nest des Ueber-mutlis, des Neides und der Habsucht, Feindin allerWohlgesinnten, so gross in der Unbeständigkeit, dasssein Name in der Hölle überall verbreitet ist; dieSienescn sind eitler als die Franzosen , die Genuesenaller Sitte bar und ganz wurmstichig, die Bo-lognesen geizig und kupplerisch; Pistoja verdient inAsche gelegt, Pisa im Arno ersäuft zu werden; die
*) Brief an Kaiser Heinrich IV.