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Entartung und Genie : neue Studien / von Cesare Lombroso ; gesammelt und unter Mitwirkung des Verfassers Deutsch Herausgegeben von Dr. Hans Kurella
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ENTARTUNG UM) GEN'IE.

Bewohner des oberen Arno-Thals sind schmutzigeSäue, die Aretiner böse Metzgerhunde, die Pisanerarglistige Füchse. Eben so geht es dem ganzenAdel. Die Malatesta haben Raubthierzähne, dieGallura sind wankelmiithig und arglistig, die Mon-tecchi und Capuleti, die Monaldi und Filippeschisind verdächtig und erbärmlich, Alberto della Scalaist schlimm an Körper und mehr noch an derSeele, Guido da Montefeltro handelt nicht wie einLöwe, sondern wie ein Fuchs und kennt alle Ränke;selbst die erlauchtesten Namen brandmarkt er mitdem Vorwurf grässlicher Laster, so den Vater seinesältesten Freundes Cavalcanti, den grossen Farinataund selbst seinen Lehrer Brunetto.

Auch den französischen Königen und Prinzen,den Päpsten wirft er furchtbare Dinge vor, kurz,man kann von ihm mit ihm selbst sagen:

Von allen sagt er Böses, ausser von Christus.

Die leidenschaftliche, visionäre Natur des Dichtersund seine ausserordentliche Sensibilität zeigen sichseit seiner Kindheit. Als er, 9 Jahre alt, Beatricezum ersten Male sieht, geräth er so in Erregung,dass er zittert, wie er im Capitel II der Vita Nuoraerzählt, und fast das Bewusstsein verliert.. In derCanzone: E m'incresce di me si malatnente beschreibter seinen Eindruck folgendermassen: .

Meine kleine Person erfuhr eine neue Leidenschaft,

Sodass ich voller Furcht wurde,

Dass aller meiner Kraft ein Zügel angelegt wurde,

So plötzlich, dass ich zu Boden fiel,

Von einer Stimme, die mein Ilerz durchdrang.

Er war 18 Jahre alt, als er Beatrice wiedersah,die ihn tugendhaft grösste, sodass er nun glaubteden Gipfel aller Glückseligkeit erreicht zu haben.Von da an lebt er in jahrelanger Ekstase und der