Buch 
Entartung und Genie : neue Studien / von Cesare Lombroso ; gesammelt und unter Mitwirkung des Verfassers Deutsch Herausgegeben von Dr. Hans Kurella
Entstehung
Seite
36
JPEG-Download
 

36

ENTARTUN'G UXl) GKXIE.

Sohn des Sokrates. Er erwähnt neben andern mehr oderweniger sonderbaren Meinungen auch die, nachwelcher bei den grossen Männern die kräftigstenLebensgeister sich nach dem Gehirn begeben, umhier den geistigen Fähigkeiten Kraft und Mannhaftig-keit zu verleihen, während das Blut kalt und stupidewürde, sodass die Kinder stupide ausfielen.

Neben den Beispielen Byrons, Sciiopenhauers undRenans, in deren Ascendenz geisteskranke und abnormeNaturen mehrfach Vorkommen, ist das interessantestewohl das der Familie Feopardi, deren Genealogievon Dr. Patrizi untersucht worden ist, wobei sicheine ungewöhnlich grosse Zahl geisteskranker Ascen-denten ergeben hat. Die Familiengeschichte derGrafen Feopardi, die von Monaldo Feopardi geschriebenund von Traversi (Florenz bei Münster ) publicirt wordenist, liefert genaue Daten über die Mitglieder dieserP'amilie seit dem Ende des 12. Jahrhunderts; danebengiebt es noch einige Traditionen über 4 frühereAscendenten: Mu rio , Feopardi 1 ., Atto.ye 1 . undFeopardi II. Das Haus Feopardi zählte zur Zeitdes Poeten 18 wohlbekannte Generationen. Geistes-krankheiten trafen die Familie Feopardi häufig ineiner langen Reihe von Jahren; dabei überwogendie mystischen Formen, die auch heute noch nichtaus der Familie verschwunden zu sein scheinen.Man weiss, und auch die Zeitungen haben davongesprochen, dass der Erstgeborne des jetzigenIamilienoberhauptes, Giacomo Feopardi, als ganzjunger Mensch von einer so glühenden ascetischenNeigung erfasst wurde, dass er in ein Kloster ein-treten wollte, trotz seiner sehr zarten Gesundheitund des Widerstandes seiner Eltern. Monaldo hatnachgewiesen, dass gegen Ende des 16. und Anfangdes 17. Jahrhunderts gleichzeitig nicht wenigerals 15 Gräfinnen Feopardi als Nonnen in Klösternlebten.