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Entartung und Genie : neue Studien / von Cesare Lombroso ; gesammelt und unter Mitwirkung des Verfassers Deutsch Herausgegeben von Dr. Hans Kurella
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ENTARTUNG UND GENIE.

aufhört:. In der Vision von Muntere häufen sichSymbole und Spruchbänder so ungeheuerlich, dassfast nichts zu entwirren ist; dieses Bild erinnertausserordentlich an das von mir publicirte Werkeines in der Irren - Anstalt zum Maler gewordnenGeisteskranken, das ihn selbst als Wcltschüpfcr darstellt.

Der bekannte Maler Dieefenbach reproducirt fastganz das Bild des mattoiden künstlerischen Genies,wie Zola es in seinem Buche ü Oeuvre darstellt. Erist ein Mann von mittlerer Statur, der Bart undHaar lang wachsen lässt, eine lange hellbraune Woll-tunica trägt, die ihn vom Halse bis zu den Füssen bedeckt, und darunter ein andres Kleidungsstück vondemselben Stoffe, das einem Priesterrocke ähnlich ist.Dazu kommen bis zum Knie reichende Strümpfe undanstatt der Schuhe Sandalen aus dickem Fell; derKopf bleibt immer unbedeckt. Er hat eine breiteStirn, lebhafte graue Augen, ein gebräuntes Gesicht,regelmässige Nase und dicke Lippen. Er sprichtziemlich unbeholfen und springt dabei von einemThema zum andern, wird jedoch, wenn er von sichspricht, lebhaft und macht dann einen sympathischenEindruck. Seine Meinungen über die katholischeKirche brachten den bayerischen Clerus gegen ihnin Aufruhr; er pflegte in München in einem ge-mietheten Saale zu predigen und der grosse Zulauf,den er hatte, beunruhigte die Behörden dermassen,dass man ihn internirte und ein ärztliches Gutachtendarüber einholte, ob er als gemeingefährlicherGeisteskranker dauernd in eine Anstalt gehörte; erwar vorher in einer Krankenanstalt gewesen, in derman ihn veranlasste, eine Wärterin zu heirathen.Dieselbe starb, nachdem sie ihm zwei Kinder ge-boren hatte. Von seinen Anhängern wurden ihmdiese Kinder genommen, unter infamen Beschul-digungen; er bekam sie erst nach i i j 2 Jahren wiederzurück; die Kinder tragen dasselbe Costüm wie der