GENIE UND IRRESEIN.
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Es war ihm nicht mehr genug, aus königlichemBlut zu stammen, sondern er beanspruchte für sichdie Herrschaft der ganzen Welt, wenn er sich auchspäter bescheidentlich damit begnügte, einen Fürsteneinzusetzen und diesem die Investitur zu verleihen.In einem an die christlichen Herrscher gerichtetenManifeste sagte er:
»Ich wende mich an alle Fürsten der Christenheit,katholische, schismatischc und ketzerische, voraus-gesetzt, dass sie getauft sind. Es kommt mir nichtdarauf an, ob sic Macht und Herrschaft besitzen, ichverlange nur, dass sie aus königlichem Geblüt stam-men. Ich rufe sie hiermit alle auf, und den ersten,der sich mir vorstellt, — er muss über 20 und nichtälter als 50 Jahre sein und keinen körperlichenMangel besitzen, — werde ich als meinen Stellver-treter einsetzen«.
Das Beste daran war, dass ihn der Graf Chambordbeim Wort nahm, und ihm einen geeigneten Candi-daten zuschickte, — ein seltsamer Pact zwischeneinem wahnsinnigen Fürsten und einem Wachs-figurenkönig !
»Ich habe« sagte Lazzaretti weiter, »das Be-diirfniss nach einer christlichen Allianz. Ich binnunmehr entschlossen, das grosse Unternehmen zufördern, und wenn sie (nämlich die christlichenFürsten ) innerhalb der von mir festgesetzten Zeitvon 3 Jahren, von der Veröffentlichung diesesManifestes an gerechnet, sich nicht einstellen,dann verlasse ich Europa und gehe unter die Un-gläubigen, um mit ihrer Hilfe zu vollbringen, wasich unter den Christen nicht vermocht habe«.
»Aber wehe dann, wehe euch allen, Fürsten derChristenhcit! Ihr werdet gestraft werden von densieben Köpfen des grossen Antichristen, die imSchosse Europas erstehen werden, vor allem aberdurch einen Jüngling, der von Norden her bis in die
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