XVI
Auguste Comte’s Leben und Schriften.
daraus abgeleiteten, in die Sinne fallenden Folgen mit den Be-obachtungen und Erfahrungen auf das genaueste übereinstimmen.
Indem Comte auf diesen vielleicht interessantesten Theil derWissenschaften nicht eingeht, sinkt seine Philosophie schon deshalbsehr von ihrer vermeintlichen Höhe herab; denn gerade dieseHypothesen sind es, welche, wenn sie ihre eben bezeichnete Be-stätigung finden, den vollen Begriff der Wissenschaft herstellen.Die Prüfung einer Hypothese an ihren ins Wahrnehmbare fallen-den Folgen ist sicherlich ebenso beweisend, als die unmittelbaresinnliche Wahrnehmung, und es ist daher durchaus unrichtig, wennComte sich nur auf letztere beschränken will.
Dazu kommt, dass Comte selbst sich hier nicht konsequenthat halten können; denn die körperlichen Atome gelten ihm fürwirklich, obgleich sie nicht wahrgenommen werden können, undsie bilden in dem ersten Theile seines Werkes dieselbe Grundlagefür seine weiteren Ableitungen, wie es von der Naturwissenschaftgeschieht.
Während Comte so die sinnliche Wahrnehmung für die zu-verlässigste Quelle der Wahrheit hält, gilt ihm die innere Wahr-nehmung, die jeder Mensch über seine inneren Zustände, so weitsie ein Denken sind, macht, für etwas durchaus Verkehrtes. Comtesagt wörtlich (I, S. 12.): „Man hat versucht zwei Arten von Beobach-tungen zu unterscheiden, eine äussere und eine innere; letzteresoll allein für das Studium der geistigen Vorgänge bestimmt sein;allein diese angebliche Beobachtung durch sich selbst ist eine reineTäuschung. — (I, S. 13.) In der That kann der menschliche Geist inFolge einer unüberwindlichen Nothwendigkeit alle anderen Vor-gänge unmittelbar beobachten, nur seine eigenen nicht, denn durchwen sollte diese Beobachtung geschehen? — Offenbar unmöglichist eine solche Beobachtung für die geistigen Vorgänge währendderen Dauer. Der Einzelne kann sich während seines Denkensnicht in zwei Persönlichkeiten tlieilen, von denen die eine nach-denkt, während die andere dies Nachdenken beobachtet. Da dasbeobachtete Organ in diesem Falle mit dem beobachtenden Organdasselbe ist, wie könnte da eine Beobachtung statt haben? Diesevermeintliche psychologische Methode ist daher schon ihrem Prinzipnach eine nichtige. — (I, S. 14.) Die Methode in den Wissenschaften