176
Zwanzigstes Kapitel.
sind als 45 Grad. Ist dieses geschehen, so braucht man nur einenStern zu wählen, welcher durch den Meridian sehr nahe dem Zenithgeht. Beobachtet man im Augenblick dieses Durchganges seinenAbstand vom Zenith, woraus man unmittelbar seinen Abstand vomPol entnehmen könnte, so kann man durch einfache Auflösungeines sphärischen Dreiecks seinen Abstand vom Zenith im Vorausfür jeden Zeitpunkt seiner täglichen Bewegung genau berechnen.Da nun die Parallaxe der Fixsterne eine unmerkliche ist, so istdas Uebermaass, was sein direkt beobachteter Abstand vom Zenithergiebt, lediglich Folge der Strahlenbrechung und deren Maass.Die grosse Zahl der zu solchen Vergleichen geeigneten Gestirnegestattet vielfache Berichtigungen, welche durch die Vergleichungmit den auf anderen in verschiedener Polhöhe belegenen Stern-warten erlangten Resultaten vervollständigt werden können. Diesist der mühsame, aber sichere Weg, auf dem man die Refraktions-tafeln aufgestellt hat. Man benutzt trotzdem hier und da die vonden Geometern aufgestellten rationellen Formeln, aber entwedernur, um sich auf rechtem Wege zu erhalten, oder um die unver-meidlichen Lücken der Beobachtung auszufüllen.
Dies Verfahren Hesse für die astronomischen Beobachtungendie Unvollkommenheit der mathematischen Theorie über Strahlen-brechung nicht bedauern, wenn man eine strenge Beständigkeit in denerhaltenen Ergebnissen annehmen könnte, allein dies ist wegender unzähhgen Veränderungen der Atmosphäre nicht der Fall.Einem Theile dieser Veränderungen trägt man Rechnung durchVermerk des Barometer- und Thermometer-Standes zur Zeit jederBeobachtung, allein die Berichtigungen genügen nicht, und deshalbdarf man sich auch über die Abweichungen in den Refraktibns-tafeln nicht wundem, welche für verschiedene Sternwarten ge-macht sind; ja selbst für die desselben Ortes zu verschiedenenZeiten. Indess werden sie nur nahe dem Horizont merkbar undverschwinden mit dem 10. oder 15. Grad der Höhe. Man muss des-halb alle Beobachtung nahe am Horizont vermeiden, was auchmeist möglich ist. Wird diese Vorsicht angewendet, so kann dieStrahlenbrechung, welche bei 45 Grad Abstand vom Zenith nureine Minute, bei 80 Grad Abstand 5—6 Minuten und am Horizontungefähr 34 Minuten beträgt, für den gegenwärtigen Zustand