Band 
Erster Band.
Seite
221
JPEG-Download
 

Fünfundzwanzigstes Kapitel.

221

und dem Monde eine weitere Reihe von periodischen und regel-mässigen Veränderungen. In Vorstehendem ist die tägliche Be-wegung des Gestirnes in der Richtung der Ebene des Aequatorsangenommen worden. Allein für jedweden Zeitpunkt muss dessenWirkung in zwei zerlegt werden, in eine in der Richtung derAxe von der Drehung der Erde, welche auf Ebbe und Fluth keinenEinfluss hat, und in eine andere, welche dem Aequator parallelgeht und welche allein den Vorgang bestimmt. Diese letzteArt von Veränderung bewirkt, wenn alles Uebrige gleich gesetzt,dass jede Ebbe und Fluth sich verändern muss, wie der Cosinusder Deklination des betreffenden Gestirnes.

In Bezug auf die verschiedenen Klimas kann die Lehre bisjetzt nur den Wechsel in der Breite beachten; am Aequator zeigtsich der Vorgang im höchstmöglichen Grade. An jedem anderenOrte wechselt Ebbe und Fluth im Verhältniss der Stärke der Um-drehung und mithin im Verhältniss des Cosinus der Breite.

Dies sind die allgemeinen Sätze in der mathematischen Lehrevon Ebbe und Fluth; sie stehen im Einklang mit der Gesammtheitder unmittelbaren Beobachtungen; ja es ist auffallend, dass manin der Wirklichkeit nicht mehr Fälle der Abweichung in Anbetrachtder Hypothesen findet, welche man für die Ausführbarkeit derRechnungen und der Anhaltspunkte hat aufstellen müssen, zumalletztere eine vollkommen rationelle Abschätzung erfordern.

Uebrigens ist die genaue und allgemeine Vergleichung dieserLehre mit den Beobachtungen noch nicht in angemessener Weisegeschehen, weil alle Messungen nur in Häfen oder wenigstens nahean den Küsten vorgenommen worden sind, obgleich man an diesenOrten nur mittelbare Ebben und Fluthen wahrnehmen kann, derenStärke wesentlich durch die Ausdehnung und Gestaltung desBodens sowohl für den Grund, wie für die Oberfläche bestimmtw ird. Auf diese Umstände muss man unzweifelhaft die Unter-schiede zurückführen, welche sich für dieselben Zeitpunkte undbei fast identischen Positionen in der Ebbe und Fluth von Gran-Hlle und Dieppe, oder von Bristol und Liverpool zeigen. Wollteüian die rechnungsmässige Genauigkeit dieser Lehre abschätzen,so müsste man für eine ziemliche Anzahl von Jahren eine fort-laufende Reihe von Beobachtungen auf einer sehr kleinen Insel