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Erster Band.
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312
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312 Fünfunddreissigstes Kapitel.

beherrscht hat als alle anderen Gebiete der unorganischen Vor-gänge.

Die unmittelbare und freiwillige Beobachtung richtet sich aufdie verwickeltsten Vorgänge, wie auf die vegetabilischen Ver-brennungen, die Gährungen u. s. w. Aber auch die am leichtestenzu erforschenden Vorgänge gehen nur unter verwickelten Umständenvor sich. In der Kindheit der Chemie musste die Erzeugung vonGegenständen, die wahrhaft für die Beobachtung passten, sehrschwierig gewesen sein. Trotz ihrer ausdauernden Thätigkeitwürden die alten Erforscher der Natur nicht zur Entdeckung derwichtigsten chemischen Vorgänge gelangt sein, wenn die unbe-grenzten, von ihnen gehegten Hoffnungen, welche sich auf ihrechimärischen Vorstellungen über die Zusammensetzung der Materiestützten, sie nicht dazu angetrieben hätten.

Daraus erklärt sich die schleppende und unvollständige Posi-tivität der chemischen Auffassungen. Diese Wissenschaft bildetden am wenigsten vorgeschrittenen Zweig der unorganischen Philo-sophie. Wenn mau nicht selbst in die gut erforschten chemischenVorgänge einige, wenn auch nur leichte und kleine Modifikationeneinführt, so kann man selten die Veränderungen richtig Voraus-sagen, welche sich ergeben müssen, und doch giebt es ohnedemkeine Wissenschaft, sondern nur Gelehrsamkeit, trotz derWichtigkeit und Mannigfaltigkeit der gesammelten Thatsachen.Anders zu denken heisst, den Wagen für das Haus nehmen.

Der niedrige Stand der Chemie muss zum Theil der mangel-haften Erziehung der meisten Geleimten, die sich ihr widmen, zu-geschrieben werden. Eine verständige philosophische Untersuchungwürde zur Vervollkommnung dieser Wissenschaft beitragen. Ichhabe nun deren allgemeinen Gegenstand zu definiren.

Man kann die chemischen Vorgänge leicht kennzeichnen; allezeigen eine mein oder weniger vollständige, aber immer abschätzungs-fähige Veränderung in der Verfassung der betrachteten Körper,d. h. eine Verbindung oder eine Lösung und meist beides. Da-durch unterscheidet sich die Chemie von der Physik, die ihr voraus-geht, und von der Biologie, welche ihr folgt. Das Ganze dieserdrei Wissenschaften hat die Aufgabe, die molekulare Wirksamkeitder Materie in ihren verschiedenen Weisen zu studiren. Die che-