Band 
Erster Band.
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355
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Neununddreiasigstes Kapitel.

355

bei Anwendung der mathematischen Rechnung auf physikalischeFragen habe ich schon dargelegt. Den dort ausgesprochenen Be-merkungen über die Nothwendigkeit, die Betrachtung des Instru-mentes der seines Gebrauches unterzuordnen und die Leitung jenesdenen zu übergeben, welche die Bedingungen dieses kennen, geltenhier in noch höherem Maasse.

Ich muss hier einige Beispiele anführen, welche ergeben werden,wie wichtig eine bessere Vertheilung dieser Arbeiten ist. In demanatomischen Theil bedürfen die von den Chemikern geschehenenUntersuchungen einer Durchsicht durch die Biologen. Doch musshier die schöne Reihe von Chevreul’s Arbeiten über die fettenKörper ausgenommen werden. Bei der chemischen Analyse desBlutes und der Säfte, wie beinahe aller festen und flüssigen ana-tomischen Elemente, wird ein einzelner, zufällig aufgenommenerFall von den Chemikern als das genügende Muster hingestellt.Sie begreifen nicht, das ihre Vornahmen einer vergleichenden Prü-fung bedürfen, und zwar nicht blos bei jedem Theil des Orga-nismus in seinem normalen Zustande, sondern auch nach demMaasse seiner Entwickelung im lebenden Wesen, nach dessen Ge-schlecht , Temperament, Ernährungsweise, nach dessen Systemder äuseren Bedingungen des Daseins und nach vielen anderenUmständen, welche nur die Biologen zu beurtheilen wissen. Der-gleichen Untersuchungen helfen in der Anatomie zu nichts, als nurfür den betrachteten Fall, den der Chemiker meist genügend zu cha-rakterisiren versäumt. Dieses Verfahren führt zugleich zu unver-meidlichen Streitigkeiten zwischen den Chemikern, wegen der Man-nigfaltigkeit der von ihnen als Muster gewählten Fälle. Dergleichenabweichende Ansichten sind ohne allen Nutzen, weil die Chemikersie den angewandten verschiedenen analytischen Mitteln zuschreiben,anstatt darin nur die Bestätigung für Abweichungen zu sehen,welche die Biologie von vornherein angekündigt hat. Ebenso ver-hält es sich mit den Produkten der Absonderung und Ausschei-dung, wie dem Urin und der Galle. Die Organe, in welchen dasProdukt gesammelt wird, und die Veränderungen, welche es dadurch einen längeren oder kürzeren Aufenthalt, je nach seinerHervorbringung, erfahren hat, kommen hinzu und verwickeln dieAufgabe, ohne dass die Chemiker dies wissen. Daher sind diese