Vierzigstes Kapitel.
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Ich gehe nun auf das Mittel der Versuche über; es dient nochin besonderer Weise für die physiologischen Vorgänge, namentlichfür jene, deren Erkenntniss wichtiger und schwieriger ist. Die Ver-suche sollen im Allgemeinen für den vorhegenden Fall eine be-stimmte Veränderung einführen, um die erfolgende Veränderungdes Vorganges selbst zu ersehen. Die Vernünftigkeit und der Er-folg dieses Kunstmittels beruht auf zwei Voraussetzungen: 1) mussdie eingeführte Veränderung sich mit dem Dasein des beobachtetenVorganges vertragen, und 2) müssen die beiden zu vergleichendenFälle nur nach einem Gesichtspunkt von einander abweichen. Nunmacht die Natur der biologischen Vorgänge die Verwirklichungdieser beiden Bedingungen beinahe unmöglich, namentlich die derzweiten. Auch haben mit Ausnahme einiger wenigen Fälle diephysiologischen Versuche bisher wissenschaftliche Verlegenheitenherbeigeführt, welche grösser waren als die, welchen man durchBenutzung jener ausweichen wollte. Zur Vervollständigung diesesUrtheils muss ich eines neuen Punktes erwähnen, welcher zurbesseren Leitung der Benutzung dieses Mittels dienen dürfte. DieLebensvorgänge sind von zwei verschiedenen Arten von Bedingungenabhängig; die einen beziehen sich auf den Organismus, die andernauf die Umgebung. Daraus ergeben sich zwei verschiedene Arten,das Mittel des Versuches auf diese Vorgänge anzuwenden, indemman bald in den Organismus, bald in die Umgebung bestimmteAenderungen einführt. Die Aenderungen in der Umgebung be-wirken allerdings beständig eine Störung in dem Organismus, unddeshalb könnte diese Eintkeilung unpraktisch erscheinen. Alleinman muss festhalten, dass das Studium dieser Reaktion selbst einenwesentlichen Theil der beabsichtigten Untersuchung bildet.
Bisher gehören die wichtigsten Versuche beinahe ausschliess-lich zur ersten Art, d. li. sie betreffen eine künstliche Störung desOrganismus und nicht der Umgebung, ohne dass man übrigens inder Regel sich bemüht hat, die Umgebung in einem unveränder-ten Zustand zu erhalten. Nun sind diese Arten der Versuche diewenigst zweckmässigen, denn das Leben verträgt sich viel wenigermit einer Aenderung der Organe, als mit einer der Umgebung,und überdem ist das Zusammenstimmen der verschiedenen Organeunter einander viel inniger als deren Harmonie mit der Umgebung.