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Vierzigstes Kapitel.
Von beiden Gesichtspunkten aus betrachtet, kann man sich beidiesen Arten von Versuchen keinen vorstellen, der wenigereinen wahren wissenschaftlichen Erfolg verspräche, als die Vivi-sektion. Der Tod, welcher oft schnell eintritt, und die Störung derorganischen Verrichtungen hindern bei derselben im Allgemeinendie Erlangung einer positiven Lösung. Ich sehe dabei von denGründen ab, welche vom sozialen Gesichtspunkt ein solches leicht-fertiges Verfahren tadelnswerth erscheinen lassen, indem es dieJugend an grausame Verfahren gewöhnt, welche ebenso verderb-lich für die moralische Erziehung, wie nutzlos für die geistige Ent-wickelung sind.
Die zweite Klasse der physiologischen Versuche, bei welchennur die äussere Umgebung verändert wird, scheint mir der Naturder Lebensvorgänge mehr zu entsprechen. Man vermag hier eherdie künstliche Störung genau zu bestimmen, deren physiologischenEinfluss man abschätzen will, und sie beruht auf einem System,das man vollständiger kennen kann. Auch kann ihre Wirkungauf den Organismus so gemässigt werden, dass die allgemeineStörung, welche der Organismus erleidet, die Beobachtung derHauptwirkung weniger stört. Endlich gestatten solche Versucheein willkürliches Abbrechen und die Wiederherstellung des nor-malen Zustandes, was der Richtigkeit der darauf zu gründen-den Schlüsse so günstig ist, weil es eine unmittelbarere und voll-kommenere Vergleichung gestattet.
Bei Anwendung der Versuchs-Methode auf verschiedeneOrganismen ändert sich die Natur der Schwierigkeiten mehr, alsderen Grösse. Je höher der Organismus steht, desto mehr ist erkünstlich zu modifiziren. Bei diesem Punkt gewinnt das Feldder physiologischen Versuche eine zunehmende Ausdehnung, jehöher man in der biologischen Rangordnung steigt. Allein ander-seits nimmt die Schwierigkeit einer verständigen Einrichtung derVersuche in gleichem Verhältniss zu, so dass die Leichtigkeit derVersuche durch die Schwierigkeit ihrer erfolgreichen Ausführungmehr als aufgehoben wird. Deshalb bieten gerade die niederenOrganismen günstigere Bedingungen, obgleich man mehr beschränktist, namentlich bei den äusseren Umständen, die sich hier wenigerleicht verändern lassen. Auch wird, je weiter man sich von dem