Band 
Erster Band.
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375
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Vierzigstes Kapitel.

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menschlichen Typus entfernt, die Beurtheilung, namentlich in Be-treff des thierischen Lebens, unsicherer. Trotzdem sind hier dieVersuche passender, da diese Fälle der wissenschaftlichen Ver-fassung der unorganischen Physik näher stehen, für welche dieKunst der Versuche wesentlich bestimmt ist.

Zur vollständigen Uebersicht der Frage gehört auch die patho-logische Erforschung, indem sie der Biologie das Aequivalent fürdie eigentlichen Versuche bietet. Je mehr die Natur der physio-logischen Vorgänge den rein künstlichen Versuchen widersteht,desto mehr gestattet sie eine ausgedehnte und glückliche Benutzungdieser freiwilligen Versuche, welche aus einer verständigen Ver-gleichung der verschiedenen unnormalen Zustände des Organismusmit seinem normalen hervorgeht.

Worin besteht in Wahrheit die wesentliche Eigenthümlichkeitaller unmittelbaren Versuche? Es soll der natürliche Zustand desOrgans so geändert werden, dass es in deutlicherer W'eise denEinfluss zeige, welcher jeder Bedingung seiner verschiedenen Vor-gänge eigenthümlich ist. Nun wird aber dieses Ziel in genügen-derer und ausgedehnterer Weise durch die Beobachtung der Krank-heiten erreicht, wenn sie vom einfachen wissenschaftlichen Stand-punkt betrachtet werden. Nach dem Prinzip der positiven Patho-logie, das man dem Genie Broussais’s verdankt, ist der patho-logische Standpunkt nicht gänzlich vom physiologischen verschieden.Er bildet nur die einfache Ausdehnung der Veränderungsgrenzennach oben und unten, welche jedem Vorgänge des normalen Orga-nismus eigen sind. Er kann niemals wahrhaft neue Vorgänge her-vorbringen, welche nicht bis zu einem gewissen Grade ihre ähn-lichen rein physiologischen hätten. Der genaue Begriff des physio-logischen Zustandes muss deshalb für jede pathologische Lehre denAusgangspunkt abgeben, und umgekehrt kann die Prüfung patho-logischer Vorgänge den Studien des normalen Zustandes zu Gutekommen. Ein bei einem lebenden Körper vorgenommenes Experi-ment ist nichts Anderes, als eine mehr oder weniger heftige Krank-heit, welche gewaltsam durch ein künstliches Mittel herbeigeführtist. Nun bietet aber der allmähliche Eintritt einer Krankheit, derlangsame, gradweise Uebergang von einem beinahe normalen Zu-stande zu einem vollkommen entwickelten kranken den Biologen