Band 
Erster Band.
Seite
385
JPEG-Download
 

Vierzigstes Kapitel.

385

sich beständig hei jedem Organismus in Bezug auf eine passendeUmgebung durch den regelmässigen und fortdauernden Kampf,welcher zwischen den auflösenden und verbindenden Bewegungenbesteht. Aus diesem geht gleichzeitig die Erhaltung und Ent-wickelung des organischen, wie die Unmöglichkeit einer vollenEntwickelung des chemischen Aktes hervor. Charakteristische Eigen-schaften trennen selbst in den unvollkommensten Organismen dielebendige Gegenwirkung von chemischen Vorgängen, aber trotz-dem werden alle Vorgänge im organischen Leben von den Gesetzender Chemie beherrscht. Wenn man auf allen Stufen der biologi-schen Rangordnung die Isolirung des organischen Lebens in Rück-sicht auf das thierische Leben sich vorstellt, welches erstere alleindie Pflanzen ganz verwirklichen, so bieten die Lebensvorgänge demBeobachter blos rein chemische Begriffe, mit Ausnahme der be-sonderen Umstände bei dieser Art von molekularer Gegenwirkung.Sonach bestehen die Unterschiede darin, dass das Ergebniss jedeschemischen Konflikts nicht von der einfachen mittelbaren oder un-mittelbaren Verbindung der Körper, zwischen denen er vorgeht, ab-hängt, sondern dass es mehr oder weniger von deren Organisation ver-ändert wird, d. h. von deren anatomischen Bau. Diese Verände-rungen können der Art sein, dass selbst, wo eine vollständigeKenntniss der chemischen Gesetze besteht, deren Anwendung dochnicht genügt, um a priori den Erfolg jeder lebendigen Gegenwir-kung ohne ein unmittelbares Studium des lebenden Organismusbestimmen zu können. Allein selbst trotz dieser ungenügendenKenntniss wäre es thöricht, die Akte des organischen Lebens soaufzufassen, als unterlägen sie nicht der Herrschaft der chemischenGesetze. Es wäre dies die Verwechselung einer einfachen Modifi-kation mit einem wirklichen Einbruch, wie es von einigen modernenPhysiologen geschehen ist, welche durch die Metaphysik dazu ver-leitet worden waren. Nur die Chemie allein kann den Ausgangs-punkt für die Lehre von der Ernährung, von den Ausscheidungenund von allen grossen Verrichtungen des pflanzlichen Lebensbilden. Wenn wir jetzt, etwas vorgreifend, zur Betrachtung desthierischen Lebens übergehen, so sehen wir, dass es diese Unter-ordnung nicht aufzuheben vermag, wenn es auch deren wirklicheAnwendung verwickelter macht. Denn das thierische Leben darf

O o m U - R i g , Positive Philosophie. 25