Vierzigstes Kapitel.
399
So entschädigt die Biologie für ihr ungenügendes Voraussehen.In einigen besonderen Fällen indess, wo die biologischen Vorgängesich gemäss dem wissenschaftlichen Voraussehen entwickeln müssen,muss selbst der gemeine Verstand anerkennen, dass diese Vorgänge,wie alle anderen, natürlichen Gesetzen unterliegen. Die Verwicke-lung dieser Gesetze veranlasst allein die Widersprüche, in welchebei anderen. Gelegenheiten die wissenschaftlichen Aussprüche ge-rathen.
Indem endlich die Biologie die Lehre von den Endzweckenangreift, hat sie diese Lehre in jenes Prinzip von Existenzbedin-gungen umgeformt, welches ihr ganz besonders angehört. Nur diemangelhafte Vorbereitung bei den meisten jetzigen Biologen ver-leitet sie auch oft, dieses Prinzip sehr unpassender Weise demDogma wieder zu nähern, welches von ihm beseitigt worden ist.Der Geist der biologischen Wissenschaft muss dahin führen, dassgerade deshalb, weil dieses Organ diesem lebenden Wesen ange-hört, es auch nothwendig zu der Gesammtheit der Tliätigkeitengehört, welche sein Dasein ausmachen, oder mit anderen Worten,dass es kein Organ ohne Thätigkeit und keine Thätigkeit ohneOrgan giebt. Indess artet diese Auffassung in eine blinde Be-wunderung aus, welche die Energie der biologischen Forschunglähmt und sich über offenbar schädliche Verwickelungen wundert.Die Philosophen, welche hierin das Meiste geleistet haben, sinddagegen, ohne es zu bemerken, dem religiösen Zweck, welchen siesich vorgesetzt, entgegengetreten, denn sie haben die menschlicheWeisheit der göttlichen Weisheit als Regel, ja als Grenze ent-gegengestellt. Obgleich unsere Gedanken überall auf das Gebietunserer Beobachtungen beschränkt bleiben, so ist doch der wissen-schaftliche Geist, selbst hei der Biologie so weit entwickelt, dassman nach der Gesammtheit der biologischen Gesetze sich Organi-sationen vorstellen kann, welche von den uns bekannten ganz ver-schieden, ja selbst höherer Art sein würden, ohne dass solchehöhere Stufen durch entsprechende Unvollkommenheiten wiederentstellt wären. Diese Fähigkeit scheint mir so unzweifelhaft, dassich für die Biologie sogar eine solche Weise von Fiktionen als einewirkliche Verbesserung der Methode verlangt habe.
Zum Schluss habe ich bei diesen Betrachtungen über die Biologie