Band 
Zweiter Band.
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Sechsundvierzigstes Kapitel.

Leitung der politischen Bewegung gern in Hände, welche zu der-selben am wenigsten geeignet sind. Dieser Uebelstand datirt vomBeginn der Revolution und hat sich mit ihr weiter entwickelt.Während der letzten drei Jahrhunderte wendeten sich die hervor-ragenden Geister hauptsächlich den Wissenschaften zu und ver-nachlässigten die Politik, was im Alterthum und selbst währenddes Mittelalters nicht der Fall war.

Die geistige Leitung der politischen Welt ruht gegenwärtig,namentlich in Frankreich , bei der Klasse der Rechtsverständigenund der Metaphysiker, oder genauer bei der der Advokaten undder Literaten. Seit ihrem Ursprung im Mittelalter bis zur Revo-lution hatte die metaphysische Politik die Universitäten und richter-lichen Körperschaften zu ihren Organen. Die ersteren bildeten eineArt geistlicher Gewalt; die anderen hatten mehr die weltliche Machtinne. Seit einem halben Jahrhundert hat diese Verfassung, welchein dem übrigen Theil von Europa noch jetzt erkennbar ist, inFrankreich eine Veränderung erfahren, welche deren Festigkeitmindert und ihren Fall beschleunigt. Die Richter sind durch dieAdvokaten ersetzt worden und die gelehrten Doktoren durch ein-fache Literaten. Die Ordnung der Ideen ist noch dieselbe, aberin den Händen untergeordneter Organe. Jedweder, der eine Federzu führen vermag, kann theils in der Presse, theils auf dem Kathederdas geistige Regiment einer Gesellschaft beanspruchen, welche ihmkeine geistige oder moralische Bedingung auferlegt. Ebenso wirdjeder, welcher nach einer genügenden Vorübung die gefährlicheGeschicklichkeit, mit gleichem scheinbaren Rechte für oder gegeneine jedwede Meinung oder Massregel zu sprechen, erlangt hat.dadurch allein zur Mithülfe bei der Leitung der wichtigsten öffent-lichen Interessen zugelassen. So haben die mittelmässigenTalente das Uebergewicht erlangt. Der geschriebene oder münd-liche Ausdruck hat den Gedanken entthront. In einer Zeit vonunbestimmten und schwankenden Ueberzeugungen brauchte manOrgane, welche sich durch das Lose ihrer geistigen Gewohnheitenund durch ihren Mangel fester Ansichten charakterisirten. DieseUebereinstimmung muss eine sehr tiefgehende sein, da sie sich j et'/Ain allen Schulen so vollständig entwickelt hat. Die rückläufigePolitik wird ebenso, wie die beiden anderen, von Advokaten und