Band 
Zweiter Band.
Seite
46
JPEG-Download
 

46

Sechsundvierzigstes Kapitel.

gültig. Die Politik des Stillstandes hat jener ganz richtig vorge-halten, dass sie die Versuche für die Uneinigkeit unterstützte, umso ihre Herrschaft als den alleinigen Weg des Heils gegen diematerielle Anarchie wieder zu gewinnen. Die stationäre Schule, beider die Liebe zur Ordnung unparteiischer, wenn auch nicht ohneeigenes Interesse ist, wird freiwillig der neuen Philosophie denZutritt gestatten. Dessenungeachtet scheint mir die revolutionäreSchule die einzige, auf welche die positive Politik eine Haupt-Wirksamkeit üben könnte, weil sie allein einen wahrhaft fort-schreitenden Charakter hat.

Die positive Philosophie ist bestimmt, die mannichfachengeistigen Fähigkeiten zu einer volleren Entfaltung anzuregen, undkann deshalb den kritischen Geist nicht zur Abzehrung bringenwollen. Sie ordnet ihn dem organischen Geist unter und eröffnetihm damit ein ausgedehntes politisches Feld, was Interessanteresbietet, als die Wiederholungen der philosophischen Satiren des vorigenJahrhunderts. Anstatt zum Vortheil der Advokaten einen ein-förmigen Krieg gegen die priesterlichen Einwirkungen fortzu-setzen, wird der kritische Geist eine volle Thätigkeit entwickeln,indem er unter dem Einfluss der positiven Philosophie die Besei-tigung jeder metaphysischen und theologischen Gewalt unternimmt.Uebrigens werden die Elemente eines neuen Systems, wie jede neuauftretende Macht, nur zu sehr Gelegenheit zur Uebung des sati-rischen Geistes Gelegenheit bieten, welcher durch seine Beaufsichti-gung einen glücklichen Einfluss üben kann. Die positive Schulemuss trotz der Stützpunkte, welche sie in den am weitesten vorge-schrittenen Abtheilungen der revolutionären Schule finden wird,doch hauptsächlich auf ihre eigne geistige Ueberlegenheit rechnen.

Eine soziale Philosophie, welche die Wissenschaft zur Grund-lage nimmt und den wissenschaftlichen Geist zur Neugestaltungder politischen Welt aufruft, müsste von Seiten der auserwähltenKlasse, welche sie so zu erheben sucht, wenn nicht eine Mithülfe,doch wenigstens eine Ermuthigung erfahren, und ich gestehe,dass ich lange in dieser Täuschung mich befunden habe und nm'eine lange Erfahrung mich davon befreit hat. Die politische Gleich-gültigkeit der meisten jetzigen Gelehrten schien mir mit dem Ekelzusammenzuhängen, welcher ihnen der unbestimmte und willkürliche